#42: Gente di Mare – Über einen Abstecher ans Meer.

Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein, doch… bei meiner Ankunft in Milano Marittima fühle ich mich alles andere als schick und fein. Verschwitzt und müde trifft es wohl eher. Aber zuerst klären wir mal die berechtigte Frage wo ich da überhaupt gelandet bin.

Nachdem es in Bella Italia doch noch sehr, sehr heiß ist (Überraschung, Überraschung) ändere ich mal wieder spontan meinen ursprünglichen Plan (nämlich den nach Ferrara zu fahren) und beschließe eine Nacht am Meer zu verbringen. Ravenna scheint laut Karte ein passendes Ziel zu sein. Im Internet finde ich gleich eine nette Unterkunft direkt am Strand, allerdings nicht in Ravenna sondern im 20 km entfernten Milano Marittima. Sei mir auch recht.

Nach einem köstlichen Cappuccino und einem noch warmen Croissant verlasse ich Udine gegen 9 Uhr. Wieder liegen rund 300 Kilometer vor mir. Nachdem sich die Bundesstraßen gestern als eine sehr gute Wahl erwiesen haben, werde ich auch heute die Autobahnen zu meiden.

Die ersten 100 Kilometer ziehen rasch an mir vorbei. Ich fahre durch kleinere Orte und Randbezirke von größeren Städten. Ein paar Namen wecken sogar Jugend-Erinnerungen hervor. So durchquere ich unter anderem den Ort Sacile, wo ich vor 20 Jahren (oh Gott…) eine Woche im Rahmen eines Schüler-Austauschs verbringen durfte.

Die Anfangs recht idyllische Landschaft wird nach rund zwei Stunden Fahrzeit durch eher eintönige Industrieviertel abgetauscht. Der Verkehr nimmt sukzessive zu und gleichzeitig steigt auch die Temperatur immer weiter an. An jeder roten Ampel fühle ich mich als ob ich in einem Backofen stehen würde. Nierengurt und Bikerjacke tragen selbstverständlich ebenso ihren Teil dazu bei. Ich frage mich ob das Risiko eines Sturzes ohne Protektoren höher ist als jenes einen Kreislaufkollaps zu erleiden…

Nach einer kurzen Cafèpause sind die Energiespeicher wieder aufgefüllt, die Fahrt Richtung Süden kann weiter gehen. Kennt ihr das? Man macht eine Sache auf die man sich schon sehr lang gefreut hat und fragt sich dennoch „warum bitte tue ich mir das an?!“ Dieser Gedanke begleitet mich auf den nächsten 100 Kilometern. Obwohl ich schon so weite Strecken auf meiner Vespa zurück gelegt habe, tut mir plötzlich alles weh. Ich weiß nicht mehr wie ich sitzen soll (hätte ich den Rat meines Bruders eine Radhose zu tragen beherzigen sollen?!) und rutsche andauernd auf dem Sitz hin und her, vor und zurück.

Es hilft alles nichts. Eine weitere Pause muss eingelegt werden. In Ermangelung netter Cafés raste ich einfach auf einem einsamen Parkplatz am Straßenrand und vertrete mir kurz die Beine. Um die Fahrt ein wenig fröhlicher zu gestalten, beschließe ich ab jetzt ein wenig Musik zu hören (nicht zu laut versteht sich). Schließlich habe ich zwecks der Navigation ohnehin meine Kopfhörer unter dem Helm. Und siehe da, die Laune bessert sich schlagartig, die Zeiger der Uhr drehen sich wieder schneller.

Als die Fahrbahn plötzlich über diverse Wasserwege führt weiß ich, dass es doch richtig war die Bundesstraßen zu wählen. Zwischendurch liegt der Duft von Pinien und Meer in der Luft. Urlaubsfeeling stellt sich ein…

Rund 30 Minuten vor meinem Ziel bleibe ich erneut stehen, um mir den Weg auch noch einmal auf der Karte anzusehen. Sicher ist sicher. Dabei bemerke ich mit Schrecken, dass die Musik zwar eine schöne Ablenkung war, jedoch auch kräftig an meinem Akku gesaugt hat. Somit wird aus einem kurzen Stopp doch eine längere Pause um das Handy an der Powerbank zu laden. Was würde ich ohne dieses Teil wohl machen…

Es ist jedesmal eine regelrechte Qual wieder in die doch eher dicke Jacke zu schlüpfen. Aber es hilft eh nichts. Ich wüsste nicht mal, wo ich sie spontan verstauen sollte. Um knapp 16 Uhr komme ich bei meinem Hotel an… und springe als erstes in eine erfrischende Dusche. Mein Zimmer ist winzig, aber wenn ich ein wenig um die Ecke schaue, kann ich bereits den Strand und das Meer sehen.

Schnell wird alles Notwendige zusammen gepackt. Ab zum Strand. Ich sehe das von mir erwartete Bild: eine Liege neben der anderen, ein Hotel grenzt ans nächste. Naja, die Messlatte liegt nach den Traumstränden in Asien natürlich sehr hoch. Es ist ja nur für eine Nacht und Meer ist Meer.

Nach einem eiskalten Bierchen döse ich gemütlich auf meiner Liege ein. Erst als sich der Hunger meldet verlasse ich den Strand und kehre zurück ins Hotel. Nach einer erneuten Dusche (wo bitte kommt der ganze Sand her…) spaziere ich ein wenig durch die Straßen des Urlaubsortes. Ganz mein Fall ist es nicht. Aber again: ist ja nur eine Nacht.

Auch die Suche nach einer passenden Futterstelle erweist sich als Herausforderung. Es gibt nur Nobel-Schuppen oder Fast Food. Ich will ja einfach nur Spaghettiiiii!! Zum Glück finde ich nach rund einer Stunde doch noch ein Lokal das meine Bedürfnisse erfüllt. Aperol gibt es zumindest überall.

In meinem Zimmer kann ich noch einer Musikgruppe lauschen, welche die Gäste im benachbarten Hotel mit italienischen Schlagern erfreut. Buona notte.

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