#41: Felicità – Über eine Reise in den Süden.

Udine (Italien).

Noch in Asien mache ich mir Gedanken darüber, was ich eigentlich im zweiten Halbjahr so anstellen könnte. Ursprünglich hatte ich die Idee mit dem Rucksack durch Südamerika zu ziehen. Aufgrund der Tatsache, dass meine Reise durch Indien und Südostasien doch sehr – nennen wir es mal intensiv ist, wird dieser Gedanke vorerst einmal geparkt (nicht verworfen wohl gemerkt).

Eine Alternative muss also her. Ohne lang nachzudenken habe ich sofort ein Bild im Kopf. Ein Bild von Olivenbäumen, malerischen Gassen, alten Herren, die auf der Straße Schach spielen und dabei laut diskutieren. Sogleich steigt mir der Duft von Rotwein, Pizza und dem süßen Leben in die Nase. Bella Italia muss es also sein.

Und ebenso ohne langes Grübeln weiß ich wohin die Reise konkret gehen soll. Nach Vetralla. Noch nie gehört? Gibt es doch gar nicht… 😊 Keine Sorge. Es handelt sich dabei nicht um eine wirklich bekannte Destination. Das Städtchen hat lediglich 14.000 Einwohner und befindet sich in der Provinz Latium, rund eine Stunde nördlich der italienischen Hauptstadt Rom. In Vetralla gibt es keine speziellen Sehenswürdigkeiten, der Ort liegt weder am Meer noch an einem See. Wie also komme ich dann ausgerechnet auf diese Stadt?! Tja, weil ich schon einmal dort gewesen bin.

Vor rund drei Jahren gehen Tom und ich als fromme Pilger zu Fuß von Siena nach Rom (extrem schade, dass ich damals noch keinen Blog hatte…). Eine unserer Etappen führt uns… exakt: nach Vetralla. Wirklich ins Herz geschlossen habe ich damals weniger den Ort als vielmehr die entzückende Unterkunft mitsamt einer noch entzückenderen Gastgeberin. Dank der sozialen Medien halten Michela und ich über die Jahre ein wenig Kontakt. Und nun schließt sich denke ich der Kreis.

Da Vetralla selbst wenig Action zu bieten hat, fasse ich schon vor Monaten den Plan mir dann einfach vor Ort eine Vespa zu mieten um folglich unabhängig und flexibel zu sein. Aufmerksamen Blog-Lesern dürfte nicht entgangen sein, dass das Roller-Fahren eine absolute Leidenschaft von mir ist. Und so besteht eine meiner ersten Amtshandlungen nach meiner Rückkehr in die Heimat darin, mir eine Vespa zu kaufen.

Hmmm… nun hab ich also ein eigenes Gefährt (300 GTS für die Experten)… warum soll ich dann eigentlich etwas in Italien mieten?! Der ursprüngliche Plan wird also leicht modifiziert. Es soll mit dem Autoreisezug von Wien nach Livorno gehen. Die restlichen 250 km kann ich dann getrost selbst durch Toskana und Latium kurven.

Tja, wie immer kommt es anders als man denkt oder plant. Die lieben österreichischen Bundesbahnen haben sich aus unerklärlichen Gründen dazu entschlossen keine Vespas im Autoreisezug zu transportieren… was also tun?! Das einzig Richtige: einfach direkt von Graz wegfahren. Schließlich sind es ja nur rund 900 Kilometer 🙂

Kurzerhand besorge ich (auf mehrfache Ermahnung hin) noch einen Nierengurt und eine Jacke mit Protektoren und packe wieder einmal meinen großen Rucksack. Nachdem er nun so viele ferne Länder gesehen hat, ist es nun an der Zeit, ihn auch mit meinem liebsten Reiseziel bekannt zu machen.

Und so schnell geht’s. Eben habe ich noch an einem asiatischen Strand gelegen und mir Gedanken über meine Pläne fürs zweite Halbjahr gemacht – schon geht die erste Etappe meiner Giro D’Italia auch schon los. Graz – Udine: 300km.

Am Tag der Abreise bin ich bereits um 4.30 Uhr wach. Da schleicht sich offenbar doch ein wenig Nervosität – oder besser gesagt Vorfreude – ein. Wieder mal bin ich ein Glückskind und darf meine Heimat bei strahlendem Sonnenschein verlassen. Zugegeben, ich war selbst ein wenig skeptisch wie angenehm es sein wird mit einem 60 Liter Rucksack auf dem Buckel mehrere Stunden auf einer Vespa zu sitzen… Zu meiner Freude stört das Teil am Rücken überhaupt nicht. Richtig eingestellt liegt der Ranzen einfach auf dem Sitz auf sodass man das Gewicht kaum spürt. Da ich diesmal auf keine Flugzeuge angewiesen bin, nehme ich sogar noch einen zweiten, kleinen Rucksack mit, der zwischen meinen Beinen steht (diesmal ist ein Laptop mit im Gepäck… dass ich diesen Beitrag dennoch am Handy tippe verrate ich mal nicht…). Die Vespa-Hersteller haben offenbar an die Damenwelt gedacht. Es gibt einen eigenen Haken für Handtaschen, wodurch der Rucksack sicher befestigt werden kann.

Der erste Streckenabschnitt erweist sich zeitweise als eher ungastlich. Es ist bewölkt, relativ frisch (zu diesem Zeitpunkt habe ich meine neue Motorradjacke noch nicht – diese wird in Villach in einem Geschäft abgeholt – lange Geschichte – nicht fragen), hin und wieder nieselt es leicht. Dass dies bei einem Tempo von über 100 km/h nicht sooooo fein ist muss vermutlich nicht extra erwähnt werden. Aber ich genieße die Fahrt trotzdem in vollen Zügen.

Nach Villach wechsle ich von der Autobahn auf die Bundesstraße. Viieeel besser. Das erspart mir die 571 Tunnel im Kanaltal. Ich gestehe, als Beifahrer bekomme ich von diesem Abschnitt in der Regel wenig mit. Dies ist meistens der Zeitpunkt an dem ich mein Nackenhörnchen hervorkrame und ins Wachkoma versinke.

Ich freue mich wie ein kleines Kind als ich den alten Grenzposten in Tarvis überquere. Auf den ersten Kilometern ändert sich nicht viel. Die meisten Begriffe sind nach wie vor auf Deutsch angegeben und auch die gesamte Szenerie sieht noch eher „österreichisch“ aus. Doch wie auf Knopfdruck scheint sich dann schlagartig alles zu ändern. Die Kirchen haben einen anderen Stil, es hat von einer Sekunde auf die andere sicher 10 Grad mehr (mindestens!) andere Düfte steigen mir in die Nase (nicht immer nur feine) und ich bin fast sicher: das Gras ist auch irgendwie grüner.

Schwupps: ich bin in Italien.

Am frühen Nachmittag komme ich in Udine an, finde zum Glück sofort ein kleines Zimmer für die Nacht. Und als ich die ersten Sätze in dieser wohlklingenden Sprache vernehme fühlt es sich an als ob ich nach Hause kommen würde… Meine Vespa ist offenbar auch sehr willkommen und bekommt einen Platz in der Garage des Vermieters. Naja, schließlich ist sie ja auch Italienerin.

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