#40: Coming Home – Über das Ankommen.

Graz / Österreich.

Back to Life. Back to Reality.

In den ersten Tagen nach meiner Heimkehr werden mir immer wieder dieselben Fragen gestellt: Na, hast dich wieder gut eingelebt? Bist du schon im Alltag angekommen? Hast dich bereits wieder an die Heimat gewöhnt?

Meine Antworten fallen stets ein wenig zögerlich aus. Ich habe mich absolut aufs Heimkommen gefreut. Auf meine Lieben. Auf meine Tiere. Auf das eigene Bett. Auf Trinkwasser aus der Leitung… Und dennoch… ganz so einfach ist es dann doch nicht…

Als ich die ersten Schritte in meine Wohnung setze ist alles vertraut… und doch irgendwie fremd. Ich ertappe mich dabei, nicht alles auf Anhieb zu finden. So muss ich zum Beispiel zwei Schränke öffnen bevor ich die Trinkgläser finde. Es fühlt sich ein wenig an, als ob ich aus einer Art Koma erwacht wäre. Im Vorraum warten meine Winterschuhe (inklusive einer dicken Staubschicht) und meine Schals darauf, bis zum nächsten Einsatz verstaut zu werden. Ein Stapel an Briefen und Zeitschriften möchte sortiert werden. Auf dem Schreibtisch liegen noch ein paar Unterlagen, die ich nicht mehr ordnungsgemäß in die richtigen Mappen einsortiert habe. Gleichzeitig sollte ich den Rucksack auspacken, alles wieder an seinen rechtmäßigen Platz bringen (wo auch immer der eigentlich ist…).

Zwischen den Welten. Mit einem Fuß noch in der Ferne. Mit dem anderen wieder in der Heimat. Mir ist bewusst, dass es einfach seine Zeit braucht um wieder richtig anzukommen. Manchmal erlebt man dieses Gefühl ja bereits nach einem zweiwöchigen Urlaub in Italien oder Griechenland. Ein Zustand, als ob sich Körper und Geist (oder wie man es nennen mag) an unterschiedlichen Orten aufhalten. Und das ist ja auch gut so. Es zeigt, dass man absolut im Hier und Jetzt gewesen ist, sich völlig auf neue Orte, neue Menschen und neue Erlebnisse eingelassen hat. Und offenbar reist der Körper einfach ein wenig schneller als die Seele (oder wie man es nennen mag).

Es tröstet mich, dass ich zumindest nicht die einzige bin, der es so ergeht. Ich tausche mich in den ersten Tagen häufig mit meinen neu gewonnenen Reise-Freunden aus. Die meisten – eigentlich alle – berichten von ähnlichen Anpassungsschwierigkeiten. Manche von ihnen sind direkt in einen Job zurück gekehrt. Hut ab. Das könnte ich mir aktuell offen gestanden nicht vorstellen.

Schon am ersten Tag nach meiner Rückkehr ertappe ich mich dabei sofort (wirklich sofort) in alte Muster zu fallen. Ich verspüre den Drang, alles zugleich und unmittelbar erledigen zu wollen. Nach dem Motto: was getan ist, ist getan. Und so beginne ich gleich damit meinen Rucksack auszupacken. Gut, das macht vermutlich jeder. Während ich durch die Wohnung sause um die Dinge an ihren ursprünglichen Platz zu bringen, wird meine gedankliche Todo-Liste immer länger. Ich könnte ja auch gleich… und das sollte ich auch noch… Und irgendwann stehe ich mit Eimer und Lappen im Bad und wische die Schränke… Absout lächerlich. Naja, Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der beste Weg zur Heilung.

Wie viele wissen, werde ich ja nicht unmittlbar in einen neuen Job starten. Die Auszeit geht also in der Heimat weiter. Tatsächlich fürchte ich mich nicht vor Langeweile. Ich mache mir eher darüber Sorgen, ob ich in einen nie dagewesenen Freizeit-Stress kippe. Neben den Aufgaben des Alltags habe ich gefühlte 100 Ideen, was ich alles mit meiner neu gewonnenen Zeit anstellen kann. Und schon verspüre ich einen leichten Druck in mir. Aber warum? Vielleicht weil ich es einfach nur so kenne. Im Standard-Arbeitsalltag bleibt oft wenig Zeit für all die Herzens-Projekte (oder man nimmt sie sich einfach nicht). Mir wird klar, dass dies die Chance ist alles zu tun und zu machen was ich will. Und mir wird ebenso klar, dass ich nicht alles in einer Woche abhaken muss. Step by step.

Wie gehen wir das also an? Eine Todo-Liste muss her. Ich notiere zuerst alles was wirklich aktuell erledigt werden muss. Danach sammle ich jene Dinge, die getan werden müssen (oder sollten), aber absolut keine Dringlichkeit haben. Und dann gibt es eine dritte Kategorie. In diese Rubrik fallen eben jene kleineren oder größeren Projekte, die ich schon länger machen wollte, aber einfach immer hinausgezögert wurden.

Obwohl ich in der Regel vor Tatendrang überquelle, habe ich doch auch ein wenig Sorge, dass ich – ohne Termine und Zeitdruck – irgendwann damit beginne, einfach in den Tag hineinzuleben. In meiner Horror-Vorstellung sehe ich ein Bild von mir selbst. Es ist bereits 11 Uhr. Ich liege im Pyjama auf der Couch, auf meinem Bauch eine Packung Kekse. Im Fernseher läuft ein anspruchsvolles Format á la „Shopping Queen“ oder „Mein Kind – Dein Kind“.

Um dieses Szenario nicht ansatzweise zu meiner Realität werden zu lassen, mache ich eine Abmachung mit mir selbst. Morgen-Routine lautet das Zauberwort… wobei wenig Zauber dahinter steckt als vielmehr einfach Konsequenz. Und ich vereinbare eine Weckzeit mit mir (7 Uhr falls es jemanden interessiert). Ich bin absolut überzeugt davon, dass der Start in den Morgen den ganzen Tag beeinflussen kann – sowohl im Positiven als auch im Negativen. Das Ganze ist nun auch nicht meine Erfindung. Leider. Über Morgen-Routinen gibt es eigene Bücher und Podcasts. Zurecht. Ich habe bisher erst im kleinen Stil versucht best möglich in den Tag zu starten. Als ich noch fest im Berufsleben stand, habe ich mir nach dem Aufwachen immer rund 20 Minuten Zeit für meine Yoga-Praxis genommen. Bereits nach ein paar Wochen bedurfte es absolut keiner Überwindung mehr die Matte auszurollen. Die positive Wirkung hat den inneren Schweinehund also erfolgreich bezwungen. Da ich aktuell nun mehr Zeit zur Verfügung habe, wird auch meiner Morgen-Routine mehr Platz eingräumt. Ich möchte an dieser Stelle aber noch nicht ins Detail gehen. Ich teste mal weiter und berichte dann. Einverstanden?

 

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