#38: The Circle – Über sich schließende Kreise.

Bangkok / Thailand.

Dass der letzte Tag meiner Reise irgendwie emotional werden könnte ist klar. Ihr werdet nun vermutlich denken, dass ich traurig bin, wehmütig… was auch immer. Es ist mir selbst ein Rätsel. Aber das bin ich nicht. Ich freue mich jetzt wirklich darauf nach Hause zu kommen.

Warum also dann emotional? Um diese Frage zu beantworten muss ich zuerst einen Schritt zurück gehen. Eine kleine Zeitreise sozusagen. Wir schreiben den 17. März 2019. Es ist mein erster Tag in der thailändischen Hauptstadt. Meine Sightseeing-Tour führt mich unter anderem in den Tempel Wat Pho, Stätte des berühmten Liegenden Buddha. Kommt euch das bekannt vor? Das kann gut sein. Die Ereignisse dieses Tages habe ich ausführlich in Beitrag Nummer 6 festgehalten. Zur Erinnerung: Karin verliert ihre Bankomat Karte – nette Verkäuferin hilft (ohne ein Wort Englisch zu können) dabei diese wieder zu bekommen. Dies ist eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten. Unzählige Male habe ich die Story bereits erzählt. Und ich schließe meine Schilderungen stets damit ab, wie leid es mir tut, dass ich mich nicht adäquat bedankt habe.

So, nun bekommt man manchmal tatsächlich eine zweite Chance im Leben. Und ich möchte diese unbedingt nutzen. Ein Plan muss her. Nach dem Frühstück schreibe ich ein paar Zeilen auf Englisch zusammen. Das hilft mir natürlich nicht wirklich, wie gesagt, die Dame spricht nur Thailändisch. Gestern Abend erzähle ich einer Angestellten im Hotel die Geschichte. Sie findet sie ebenso entzückend wie ich. Wie der Zufall so will ist die junge Dame auch heute im Dienst. Ich weihe sie in mein Vorhaben ein. Ich habe also eine Komplizin. Das Mädel ist so nett und tippt meine Zeilen auf dem Computer auf Thailändisch ab. Perfekt. Das könnte klappen. Bevor ich ins Taxi steige, gehe ich noch in einen kleinen Supermarkt und kaufe eine Packung Kekse. Ein süßes Dankeschön ist bestimmt international anerkannt.

Zehn Minuten später stehe ich vor dem besagten Tempel. Am Ticketschalter erkläre ich, dass mich der liegende Buddha Nüsse interessiert (ok… natürlich nicht in diesen Worten), sondern dass ich gern eine Mitarbeiterin besuchen möchte. Ich ziehe meinen kleinen Brief aus der Tasche. Die beiden Verkäufer lächeln und lassen mich ohne ein Ticket eintreten. Erste Hürde geschafft. Ich werde ein wenig nervös. Wie hat die Dame eigentlich ausgesehen? Was ist, wenn sie mich nicht erkennt? Was ist, wenn sie sich nicht erinnert? Was ist, wenn sie gar nicht hier ist?

Ich betrete den kleinen Raum, in dem ich sie damals getroffen habe. In einer Ecke steht eine Angestellte. Könnte sie das sein? Hmmm… sicher bin ich nicht, aber es bleibt mir ohnehin nichts anderes übrig als mein Glück zu versuchen. Wieder krame ich den Brief aus der Tasche und lege ihn auf den Tisch. Die Dame setzt ihre Brille auf und beginnt die Zeilen laut vorzulesen. Bereits nach dem ersten Satz lächelt sie über das ganze Gesicht. Jackpot. Sie ist es!!!

Als sie am Ende angelangt ist, blickt sie mich an… mit Tränen in den Augen. Ich bin kein groß emotionaler Mensch, schon gar nicht bei Fremden. Ich bin jedoch so gerührt von Ihrer offensichtlichen Freude, dass auch ich feuchte Augen bekomme. Die Dame kommt hinter ihrer kleinen Theke hervor und nimmt mich ganz fest in den Arm.

Wie so üblich in Asien greift sie sofort nach ihrem Handy um ein Selfie zu machen. Genau das hatte ich natürlich ohnehin auch im Sinn. In den vergangenen Wochen hat weder sie Englisch noch ich Thailändisch gelernt. Dennoch führen wir eine sehr nette Unterhaltung. Um dem Moment noch mehr Spaßfaktor hinzuzufügen gehen wir zum Bankomaten (dem fiesen Luder) und schießen auch dort noch ein paar Fotos.

Langsam ist es an der Zeit einander vorzustellen. Das ist natürlich die einfachste Übung, auch wenn man die Sprache nicht beherrscht. Sie heißt Tupan (schreibt man ganz sicher nicht so aber egal…). Nach der Fotosession öffnet sie ihre Kontakte am Handy und möchte meine Nummer einspeichern. Ich versuche zu erklären, dass dies vermutlich wenig Sinn macht. Da ich aber das Facebook-Icon auf ihrem Screen sehe, greife ich mir ihr Smartphone und sende mir selbst eine Freundschaftsanfrage. Alles getan. Alles gesagt. Wir drücken uns zum Abschied nochmal ganz herzlich. Mehrmals.

Ja, was soll ich sagen. Ich denke es ist nichts hinzuzufügen. Ein perfekter Abschluss einer perfekten Reise. Der Kreis schließt sich. Ich bin bereit nach Hause zurück zu kehren.

Oh, eines muss ich doch noch ergänzen: Danke liebe Sabine für die Inspiration zum Titel dieser Geschichte. Treffender hätte ich es nicht formulieren können (stealing with pride).

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