#37: Weird World – Über eine schräge Welt.

Bangkok (Thailand).

Yeah! Da bin ich also wieder. An dem Ort an dem meine Reise erst so richtig – ich meine so richtig – los gegangen ist. Bitte nicht falsch verstehen: auch die ersten Wochen waren bereits absolut fabelhaft. Schließlich bin ich in dieser Zeit offiziell zur Yoga-Trainerin und zur Gruppen-Reisenden ausgebildet worden. Ich möchte keine Sekunde missen. Meine Flügel wirklich ausgebreitet habe ich aber tatsächlich erst zu dem Zeitpunkt, an dem ich alleine unterwegs war. Und dieser Teil fand eben hier seinen Auftakt.

Komme ich also aus melancholischen Gründen wieder hierher zurück! Nein, ganz so romantisch ist es dann nicht. Es liegt einfach daran, dass mein Heimflug wieder von Bangkok startet. Ich fliege also von Kuala Terengganu in die thailändische Hauptstadt. Klopf, klopf (auf Holz): bei all meinen bisherigen Flügen (und das waren doch einige) ist immer alles bestens verlaufen. Sowohl ich als auch mein Rucksack waren stets gemeinsam zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort (eigene Fehler ausgenommen ;-)). Schon als ich in das Flugzeug steige, habe ich das Gefühl, dass diese Glückssträhne bei meinem vorletzten Flug abreißen könnte. Wir starten mit rund 30 Minuten Verspätung. Was an sich ja absolut kein Grund zur Aufregung ist. Das Problem ist eher, dass ich in Kuala Lumpur umsteigen muss, und dafür nur eine Stunde Zeit zur Verfügung steht, die eben nun auf die Hälfte reduziert wird.

Egal. Ich habe keinen Stress. Nach Bangkok gehen tausende Flüge pro Tag (ok zumindest hunderte… oder halt ein paar Dutzend…). Irgendeiner wird mich hinbringen. Ich staune nicht schlecht, als ich Flieger Nummer 1 verlasse. Ein Herr in einem knallgrünen Anzug steht beim Ausgang und hält eine Tafel mit meinem Namen in seinen Händen. Genialer Service, Respekt. Ich verschwende also keine Zeit damit mein Gate zu finden (was nicht schwer gewesen wäre… aber dennoch) sondern werde persönlich zu Flieger Nummer 2 eskortiert. Nach weiteren zwei Stunden Flugzeit komme ich also wie geplant in Bangkok an. Und nicht nur ich bin heil und pünktlich gelandet. Tatsächlich hat es auch mein treuer Begleiter (alias Rucksack) rechtzeitig geschafft.

So, da wären wir also wieder. Irgendwie komisch. Ich war zwar erst einmal hier, dennoch fühlt es sich irgendwie vertraut an. Coming Home die erste quasi. Und irgendwie muss ich schmunzeln als ich mich durchs Gelände Richtung Ausgang bewege. Als ich zum ersten Mal hier ankomme, bin ich doch etwas planlos. Wie bitte komme ich jetzt ins Zentrum?! Ich mache es mir damals einfach und steuere gleich den ersten Schalter an, auf dem „Taxi“ steht. Ich nenne mein Ziel und frage nach dem Preis. Wenn ich nicht kurz vorher einen Blick auf den Wechselkurs geworfen hätte, so hätte ich den Betrag vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt (ist ja eh alles so günstig hier). Da ich aber grob weiß, um welche Summe in Euro es geht, bin ich etwas perplex. Es kann doch nicht 70 Euro kosten um mit einem Taxi ins Zentrum zu gelangen?! Doch, wenn man sich einen Limousinen Service bucht. Habe ich damals nicht gemacht – mache ich heute nicht. Ich bin ja mittlerweile doch um ein paar Erfahrungen reicher. In gewohnter Manier ziehe ich mein Smartphone aus der Tasche, wähle mich ins Wifi ein und bestelle ein Grab. Schwupps, 5 Sekunden später bin ich auch schon im Fahrzeug.

Es ist bereits nach Mitternacht, als ich bei meinem Hotel ankomme. Nein, es fehlt kein „s“ – ich habe mich dazu entschieden mir für die letzten beiden Tage ein super schickes Hotel zu nehmen. Nach vielen Nächten in Dorms (das coole Wort für Schlafsaal), Hütten und schlichten Zimmern möchte ich am Ende nochmal in den Gönn-Gang schalten und es mir richtig gut gehen lassen.

Als ich aus dem Grab aussteige kommt sofort ein Page gelaufen. Whaaaat? Offenbar ist das Ding hier nobler als erwartet. Aus Gewohnheit greife ich zu meinem Rucksack und will ihn auf den kleinen Transportwagen stellen. Der Page ist erschüttert. Ich kann ja nicht das schwere Gepäck selbst anheben… Ok, dann halt nicht. An der Rezeption warten gleich zwei Menschen auf mich. Die Dame kümmert sich um den Check-In, ihr Kollege bringt einen Welcome-Drink. Als kleines Geschenk bekomme ich eine Blütenkette ans Handgelenk gebunden. Offen gestanden, bin ich fast ein wenig überfordert. Die beiden sind extrem (und das Wort wird dem Ausmaß nicht annähernd gerecht) freundlich und engagiert, kümmern sich perfekt um mein Wohlergehen. Herrlich. Und dann fällt ein Wort. Ein Wort, das man sowohl am Flughafen als auch im Hotel immer gern hört: Upgrade. Yeah, ich darf also die letzten zwei Nächte in der Suite verbringen…

Ohne Übertreibung: das ist das beste Hotel ever. Sowohl Einrichtung als auch Dekoration sind absolut geschmackvoll. Modern aber nicht kühl, nobel aber nicht aufdringlich oder protzig. Mein Zimmer – Pardon – meine Suite ist natürlich der Hammer. Das Ding hat geschätzt 60 m2 und hat unter anderem eine voll ausgestattete Küche (was die Frage aufwirft: wer kann sich die Suite leisten aber hat kein Geld für ein Restaurant?!). Schon wieder könnte ich Singen und Springen. Ihr fragt euch manchmal vielleicht (doch ich hoffe es nicht), ob ich zeitweise einfach übertreibe, ein wenig ausschmücke in meinen Berichten. Nein. Das tue ich nicht. Hand aufs Herz. Ich freue mich tatsächlich einfach immer so. Sei es über eine kleine Hütte am Strand oder über eine Suite in der Stadt.

Ich genieße mein Reich nur für einen Augenblick, schließlich habe ich noch ein Date. Ein Rendezvous mit mir selbst… im 32. Stock… Rooftop-Bar (ja ich gestehe das war das ausschlaggebende Kriterium für dieses Hotel). Da es bereits zwei Uhr morgens ist, komme ich zur letzten Bestellung auf dem Dach an. Ok, dann ordere ich halt gleich zwei Cocktails – ich bin ja im Gönn-Gang.

Nach den Drinks inspiziere ich noch ausgiebig meine Suite. Ich bin absolut begeistert. Und wie es hier duftet. Herrlich. Da mein eigener Geruch nach der langen Reise (und ich meine nicht nur den aktuellen Tag) eventuell nicht mithalten kann, beschließe ich noch ein Bad zu nehmen. Hallo liebe Wanne, dich habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen. Ich habe dich sehr vermisst.

Um vier Uhr Morgens bin ich dann doch soweit endlich ins Bett zu gehen. Für wieviele Menschen ist das bitte nochmal?! Ach so… nur für mich… sehr gut. In Indien würden auf so einer Matratze vermutlich zwei Familien schlafen… naja.

Am nächsten Morgen fällt es mir richtig schwer aufzustehen. Ich weiß gar nicht wann ich das letzte Mal so gut geschlafen habe. Wirklich, ich mochte jede einzelne Unterkunft auf meiner Reise. Aber es liegt auf der Hand, dass der Schlaf einfach weniger gut ausfällt wenn es gefühlte 50 Grad in der Hütte hat, oder die Mitbewohner (seien es Menschen oder Gekkos) in der Nacht ein wenig lärmen.

Aber es hilft nichts. Es wäre doch schade mir die anderen Annehmlichkeiten hier entgehen zu lassen. Frühstücks-Buffet und Pool warten auf mich. Und schließlich habe ich in Bangkok noch eine Mission zu erfüllen…

Und aus…

… nein, noch nicht. Ich habe schon noch etwas zu ergänzen. Spoiler-Alarm: es wird ein wenig nachdenklich…

Wie gesagt, das Frühstück wartet auf mich. Jetzt ist die Lage so, dass ich aufgrund der vielen Jahre, die ich bereits Gast dieser Hotelkette gewesen bin, einen speziellen Status habe (daher auch das Upgrade). Und dieser berechtigt mich dazu, mein Frühstück in einem eigens für Premium-Members reservierten Bereich einnehmen zu dürfen. Im 31. Stock. Aufgeregt wie ein kleines Mädchen stehe ich vor dem Buffet. Viele der Speisen und Zutaten habe ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen (dass ich sie nicht vermisst habe ist eine andere Sache). Ich lasse mir ein frisches Omelette zubereiten und suche mir eine Ecke aus, direkt an der Glasfront, Blick über die City. Ja, mir geht’s gut… aber so richtig.

Als ich so an meinem Muffin nasche , komme ich doch irgendwie ins Grübeln. Ich sag’s gleich: ich will jetzt weder auf Weltverbesserer noch auf Öko oder Mutter Theresa machen. Aber sehen wir den Tatsachen mal ins Auge: die Welt ist schon schräg… noch vor kurzem sitze ich in Laos am schmutzigen Boden und esse mit den Fingern Dinge die bestimmt nicht in einer sterilen Küche zubereitet wurden. Noch vor kurzem spaziere ich durch Dörfer, wo die Kinder im Dreck spielen, die Menschen in Hütten leben, die aussehen als würden sie das erste Gewitter nicht überstehen. Und jetzt bin ich hier. Und ehrlich: ich schäme mich nicht dafür. Im Gegenteil – ich kann dieses Programm hier sehr wohl genießen. Aber es ist doch schräg, oder?

Und noch etwas fällt mir auf. Als ich mir einen zweiten Muffin hole sehe ich, dass wirklich jeder (wirklich jeder – ich schaue bewusst) Gast ein Handy am Tisch liegen hat (auch ich). In den meisten Fällen liegt es nicht nur einfach da und wartet bis der Besitzer fertig gespeist hat, es ruht in der Hand und wird fleißig genutzt (auch meines). Viele Menschen tippen bereits sogar emsig in ihren Laptop. Nur wenige Gäste plaudern entspannt miteinander und genießen einfach nur ihr Frühstück… oder die Aussicht. Auch schräg. Niemand fragt mich mehr wie es mir geht, woher ich komme, wohin ich gehe. Jeder ist mit sich beschäftigt. Was ja auch ok ist, es ist eben anders. Ich frage mich aber ob Herzlichkeit und Offenheit keinen Platz neben Wohlstand haben? Ach, ich hoffe wirklich, dass dem nicht so ist…

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