#33: Dating the Twins – Über leere Akkus und volle Speicher.

Kuala Lumpur (Malaysia)

So. Da bin ich nun also. Im zweiten Anlauf hat es geklappt mit KL und KR. Zur Erinnerung (obwohl ich es selbst am liebsten vergessen möchte…): eigentlich wäre ich ja bereits am 30.04 hier aufgeschlagen. Da ich jedoch versehentlich das Flugticket für den 30.05 gebucht hatte, kam dann irgendwie alles anders. Und das war genau richtig so. Es ist wieder mal Zeit für Wenn-Dann-Gedankenspiele. Also. Wenn ich direkt nach Kuala Lumpur geflogen wäre, dann hätte ich mit ziemlicher Sicherheit ein wenig Zeit in Malaysia verbracht. Ich hätte somit weniger Tage für Indonesien gehabt. Ich wäre vielleicht nicht nach Nusa Lembongan gekommen, hätte somit Anniina nicht getroffen, hätte die Bootsreise nicht gemacht… und das wäre alles sehr, sehr schade gewesen.

Klar, es hätten sich bestimmt auch in der anderen Version sicher tolle Erlebnisse und Begegnungen ergeben. Aber ich bin schon richtig froh darüber, wie sich alles gefunden hat. Alles hat wohl tatsachlich seinen Sinn. Und vielleicht gibt es ja wirklich so etwas wie parallele Universen (ist das echt die Mehrzahl?! Oder heißt es Universi?!). Und eine andere Karin erlebt gerade eine andere Version dieser Reise.

So genug davon. Wie ist die Lage in Kuala Lumpur? Ich komme planmäßig (also am richtigen Tag und zur richtigen Zeit) am Flughafen an. Schon merkwürdig. Irgendwie gewöhnt man sich an alles wenn man etwas ein paar Mal gemacht hat. Anfang letzten Jahres stand ich zum ersten Mal alleine auf einem Airport, in Amsterdam, ein Business-Trip inkl. verlängertes Wochenende. Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, wie ich mich gefühlt habe. Irgendwie ein wenig lost… und ein bisschen nervös. Man hat niemanden auf den man sich verlassen kann, muss alles alleine checken. Und nun kann ich die Anzahl der Flüge, die ich mittlerweile alleine angetreten habe, gar nicht mehr zählen.

Und noch etwas ist anders. Früher habe ich mir bereits Tage vor dem Flug angesehen, wie ich dann vom Airport zu meinem eigentlichen Ziel komme. Das mache ich eigentlich kaum noch. Wenn ich zufällig daran denke prüfe ich die Optionen am Tag vor dem Flug. Meist aber drehe ich mich in der Ankunftshalle ein paar Mal im Kreis und folge dann einfach den Schildern.

So, wieder vom Thema abgekommen. Kuala Lumpur. Wie ist es? Also. Es gibt Städte, die einen irgendwie sofort in ihren Bann ziehen. Liebe auf den ersten Blick, zumindest ein Strohfeuer. Singapur hatte mich (trotz oder vielleicht gerade aufgrund der Geschichte mit dem Pfefferspray) sofort. Keine große Liebe, eine Wochenend-Romanze aber allemal.

Kuala Lumpur und ich werden noch nicht so ganz warm. Ok, zugegeben habe ich eine Gänsehaut als ich abends vor den Petronas Towers stehe. Aber es ist mehr ein kurzer Flash als ein nachhaltiges Gefühl.

Da ich bereits weiß, dass die meisten Sehenswürdigkeiten dicht zusammen liegen, stresse ich mich nicht und schlafe aus. Ja… diese Müdigkeit begleitet mich gerade wie ein Schatten. Irgendwie wundert es mich aber auch nicht. In den letzten Monaten habe ich so viele Sehenswürdigkeiten gesehen, so viele Menschen kennen gelernt, so viele Kilometer zurückgelegt (sowohl in diversen Verkehrsmitteln als auch zu Fuß), in so vielen Betten geschlafen, so viele neue Gerichte probiert. Ich denke mein Speicher wird einfach langsam voll… Und wenn ich drüber nachdenke, so gab es im Grunde keinen einzigen Tag an dem ich wirklich absolut nichts gemacht habe. Selbst an den gemütlichsten Tagen am Strand gab es etwas zu entdecken oder zu erleben. Ich denke mein Akku wird einfach langsam leer… aber keine Sorge, alles bestens. Ich genieße meine Reise noch immer in vollen Zügen.

So, aber nun wirklich. Kuala Lumpur. Ich mache mir gar keinen richtigen Plan sondern marschiere einfach drauf los. Das finde ich in Städten einfach immer am lustigsten. Ich spaziere in Richtung Independence Square, schau mir die diversen historischen Gebäude an und bewege mich in Richtung China Town. Dieses Viertel verlasse ich nach ein paar Minuten wieder, irgendwie ist es doch immer dasselbe (Ausnahme Singapur). Fake-Marken-Zeug, Naschereien alle Art und aufdringliche Verkäufer.

Zeit für meinen täglichen Iced Latte und meinen Kuchen… Das schöne an den sozialen Medien ist, dass man immer wieder spontane Empfehlungen bekommt wenn Menschen ein Foto vom aktuellen Aufenthaltsort sehen. Und so schickt mir Bella (Reminder: Songkran in Chiang Mai) zwei Tipps für nette Cafés. Die kennt mich offenbar schon gut… Danke an dieser Stelle! Ich steh einfach auf diese coolen Hipster-Lokale, und das ist eines davon. Der Café ist super, der Banana-Toffee-Kuchen ein Gedicht, die Atmosphäre locker und entspannt. Und zwei Schmusekatzen gibt es obendrein auch noch. Ich sitze also eine ganze Weile hier, beginne damit diesen Beitrag zu schreiben und beobachte die anderen Gäste ein wenig. Und weil der Kuchen so lecker ist probiere ich gleich auch noch ein Hauptgericht (Brot mit Avocado, Feta und Spiegelei… nom nom nom). Und weil es plötzlich in Strömen regnet, bestelle ich einen weiteren Café. Ich bin ja regelrecht gezwungen zu bleiben… Und so wird aus der angedachten kurzen Pause ein Aufenthalt von 3 Stunden… Wenn die Klima-Anlage nicht so saukalt wäre, würde ich wohl den ganzen restlichen Tag hier verbringen.

Aber gut, ein bisschen mehr hat Kuala Lumpur natürlich schon zu bieten. Aber nicht heute. Es schüttet nach wie vor wie aus Eimern, da macht Sightseeing dann doch keinen Spaß. Ich schnappe mir ein Grab-Taxi, das mich trocken zurück ins Hostel bringt. Nach einer heißen Dusche lege ich mich in mein Bettchen, ziehe die Jalousie herunter und verkriech mich für zwei Stunden. Akku aufladen quasi. Ganz untätig bin ich aber dann doch nicht. Ich bestelle eine Kino-Karte. Perfekter Plan für einen regnerischen Abend.

Das Kino ist in einem Einkaufszentrum untergebracht. Ich glaub ich habe es schon einmal erwähnt: ich mag keine Malls. Nicht zuhause. Nicht im Ausland. Heute ist es eben ein notwendiges Übel. Dass die Shopping-Paradiese in Asien riesig sind ist mir bekannt. Wie groß diese Tempel tatsächlich sind war mir aber nicht ganz bewusst. Bereits nach ein paar Minuten bin ich komplett verloren. Es gibt alles, wirklich alles. Ich kann euch leider nicht sagen wie viele Shops hier untergebracht sind (hunderte nehm ich mal an). Irgendwie ist der ganze Komplex ein regelrechtes Labyrinth aus mehreren Gebäuden, Etagen, Zwischenebenen. Ich starte als erstes ins zweite Untergeschoss, wo sich die kulinarische Welt befindet. Ich drehe mehrere Runden, bin ob des unglaublich vielfältigen Angebots komplett überfordert. Letztendlich entscheide ich mich zur Abwechslung für ein Pad Thai, geht immer und kostet läppische 2.50 Euro (der Vorteil an einem Dinner in der Mall.).

Damit ich rechtzeitig zur Vorstellung da bin (man weiß ja nicht wieviele Kilometer man laufen muss), mache ich mich gleich auf die Suche nach dem Kino. Ich bin natürlich viel zu früh. Somit schlendere ich also doch noch ein wenig umher. Nach sage und schreibe fünf Minuten reicht es mir. Allein der Geräuschpegel macht mich komplett fertig. Zuerst steuere ich die Starbucks-Filiale an (genauer gesagt eine der Filialen). An der Tür mache ich wieder kehrt. Ich kann ja nicht schon wieder naschen… Ein Buchladen wird meine Zuflucht. Dort ist es ruhig. Und Bücher-Stöbern geht irgendwie immer.

Als mir auch das irgendwann zu langweilig wird stelle ich mich an ein Geländer von dem aus man in die anderen Etagen schauen kann. Es ist einfach nicht meine Welt. War es noch nie. Und jetzt weniger als je zuvor. Über die Sache mit der Notwendigkeit von materiellen Dingen gibt es ja bereits einen eigenen Beitrag, daher gehe ich auf dieses Thema nicht erneut ein. Aber mal ehrlich: wer braucht das alles hier wirklich?!

Alles gibt es hier. Fast alles. Auf Stühle oder Bänke im Wartebereich zum Kino haben’s aber offenbar vergessen. Und so setz ich mich einfach auf den Boden und nutze die Zeit zum Schreiben.

Einlass. Los geht’s. Ich mag Kino Werbung. Ok, wer nicht 🙂 aber… oh no… Landessprache. Ich werde doch nicht etwa vergessen haben darauf zu achten, dass der Film in Englisch ist… hab ich… der Streifen selbst („Avengers“ by the way) ist zum Glück nicht auf malaysisch.

Ja, das mit dem alleine ins Kino gehen ist so eine Sache. Im Grunde ist es überhaupt kein Problem, zumal man während der Vorstellung ohnehin nicht plaudern kann bzw. sollte. Ich hab das bisher erst einmal gemacht, im guten alten Graz. „Colonia Dignidad“ hab ich mir damals angesehen. Der Film hat mich extrem aufgewühlt. Ich platze auf dem Rückweg in der Straßenbahn fast, würde mich so gern mit jemandem über das Gesehene austauschen. Und so ergeht es mir auch heute.

Auch meinen zweiten Tag in Kuala Lumpur lasse ich eher entspannt angehen. Mit Monorail und Zug mache ich mich auf den Weg zu den Batu Caves, die etwas außerhalb der Stadt liegen. Die lange Anfahrt lohnt sich. Es handelt sich dabei um eine Höhle, in der sich ein farbenprächtiger Hindu-Tempel befindet. Und weil der alleine nicht reicht gibt es auch noch einen davor und einen daneben. Der Höhleneingang wird von einer riesigen goldenen Statue bewacht. Und hinterlistige Äffchen sind natürlich auch mit von der Partie.

Die Sehenswürdigkeit ist wirklich imposant, ich bemerke aber wieder, dass ich wirklich schon recht abgestumpft bin. Speicher voll. Nach ein paar Fotos mache ich mich gleich wieder auf den Rückweg.

Wieder in der City angekommen, steuere ich den zweiten Café-Tipp von Bella an. Auch dieses Lokal entspricht genau meinem Geschmack (nicht nur wegen der leckeren Karotten-Tarte). Und wieder bleibe ich für ein paar Stunden. Akku wird geladen.

Am Nachmittag spaziere ich noch ein wenig durch das Viertel Kampung Baru. Hier findet man noch einige traditionelle Häuser, was einen spannenden Kontrast zu den Wolkenkratzern schafft.

Nach einer Pause im Hostel esse ich in einer Trattoria zu Abend und gehe früh schlafen. Es steht ja wieder einmal ein Flug auf dem Programm. Ich bleibe in Malaysia, verlasse aber das Festland für eine Weile. Ich werde also noch ein wenig Speicherplatz und Restakku finden müssen.

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