#32: Eat, Walk, Yoga – Über entspannte Tage auf einer gar nicht so entspannten Insel.

Gili Air / Indonesien.

Eigentlich wollte ich ja direkt von Bali hierher kommen. Ich wurde jedoch von Manta-Rochen, Schildkröten und Komodo-Waranen abgelenkt… Da die Schiffsreise in Lombok endet und Gili Air nur 15 Minuten entfernt liegt, nutze ich die Gelegenheit und komme also doch noch auf die kleine Insel.

Zugegeben, ich bin eigentlich schon die ganze Zeit ein wenig skeptisch was diese Destination betrifft. Man hört und liest so Einiges, wie immer völlig Widersprüchliches. Die Insel soll bis vor ein paar Jahren ein wahres Paradies gewesen sein, ideal zum Tauchen und Schnorcheln, malerische Strände, alles was man halt so braucht für einen gelungenen Aufenthalt. Mich spricht besonders an, dass Gili Air wirklich winzig ist. In nur 90 Minuten kann man angeblich einmal um das Eiland spazieren. Zudem gibt es weder Autos oder Roller (ok, das zweite gefällt mir natürlich weniger).

Hört sich doch alles super an, oder? Warum also meine Bedenken? Zum einen wurde die Insel beim letzten starken Erdbeben offenbar schwer in Mitleidenschaft gezogen. Laut einiger Berichte im Internet sei Vieles noch nicht wieder im ursprünglichen Zustand. Neben dieser Naturkatastrophe sorgt leider auch der Mensch dafür, dass die Schönheit der Insel vergänglich ist. Aggressiver Fischfang zerstört die Korallenriffe immer weiter. Zu guter letzt ist Gili Air – sowie auch die beiden Schwestern-Inseln – längst kein Insider-Tipp mehr. Die Verbindungen von Bali und Lombok sind gut, was dafür sorgt, dass täglich wohl hunderte neue Touristen ihre Füße auf den Strand setzen.

Da die Insel ja wirklich nur einen Katzensprung von Lombok entfernt ist, ich noch ausreichend Zeit habe und auch noch ein nettes Yoga-Package finde, entscheide ich mich also trotz Skepsis dafür hierher zu kommen.

Schon bei meiner Ankunft werde ich leider mit dem ersten negativen Eindruck konfrontiert. Wie gesagt, no Cars on Gili Air. Tja, und was macht man dann, um die armen Touristen, die mit ihren großen Koffern auf die Insel kommen, best möglichst zu verwöhnen? Genau, man lässt einfach ein paar Tiere schuften. Direkt am Hafen stehen rund 20 Pferde bereit. Sie sind lächerlich geschmückt, schwitzen stark, sehen absolut nicht gesund aus. Wasser-Eimer sehe ich nirgends. Offenbar ist das den meisten Besuchern völlig egal. In Vorfreude auf ihr Hotel schmeißen sie ihr Gepäck in die Kutsche und sich selbst hinterher. Ehrlich, ist das wirklich nötig? Die Insel ist so klein. Das wird doch wohl auch zu Fuß zu schaffen sein, von mir aus Golf-Cars einsetzen… naja… über solche Themen könnte ich mich ewig aufregen wie man merkt. Ich denke ich werde dem Thema Tierschutz bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag widmen… da sieht man ja leider so Einiges in Asien, das man eigentlich nicht sehen möchte.

Ich stapfe also die 15 Minuten zu meiner Unterkunft. Der erste Eindruck ist gut. Wobei ich auch hier ein wenig skeptisch bin. Zum ersten Mal bin ich in einer Art Anlage. Rund zehn kleine Bungalows reihen sich um einen Pool, links und rechts jeweils ein Yoga-Shala (also der Raum in dem die Einheiten stattfinden).

Da die Anreise aufgrund eines massiven Staus auf Lombok doch um einiges länger dauert als erwartet, ist es bereits Abend, als ich in der Unterkunft ankomme. Ich beziehe schnell mein Zimmer und mache mich auf die Suche nach einem Restaurant. Offenbar hab ich nicht nur ein Händchen für schöne Zimmer und nette Ortschaften, ich finde auch immer sofort süße vegetarische Lokale. In diesem Fall befindet sich die Futterstelle meiner Wahl nur eine Minute von der Unterkunft entfernt. Perfekt.

Ich starte mit einer kraftvollen Yoga-Einheit und einem kleinen Frühstück in den neuen Tag. Nach einer kurzen Ruhepause nehme ich auch noch an der Aqua-Yoga Einheit Teil. Das ist richtig cool. Im wahrsten Sinne. Da die Außentemperatur bereits über 30 Grad beträgt, ist es natürlich super angenehm die Asanas im kühlen Nass auszuüben. Manche Positionen sind einfacher als auf der Matte, andere etwas herausfordernder. Zu Beginn scherzen wir noch darüber, dass wir uns auf den „Herabschauenden Hund“ freuen, in der Erwartung, dass das nicht möglich sein wird. Denkste, alles geht. Wir üben die Position auf einer Stufe am Beckenrand aus, das Wasser reicht also bis zu den Knien und Ellbogen, die Stirn taucht leicht ins Wasser. Die Einheit endet damit, dass wir den Handstand üben. Das ist richtig toll und klappt sogar… kurz aber doch.

Danach packe ich meinen kleinen Rucksack und mache mich auf um die Insel zu erkunden. Da ich gelesen habe, dass man sich an jeder Ecke Schnorchel und Taucherbrille (ah… Tauchermaske heißt das ja… hab’s nicht vergessen Bernie :-)) ausborgen kann, packe ich zur Sicherheit ein Handtuch ein.

Tatsächlich ist die Insel wirklich extrem überschaubar. Nach kurzer Zeit habe ich bereits das erste Viertel meiner Runde hinter mir. Ein Restaurant reiht sich ans nächste, eine Bar an die andere. Ich gehe davon aus, dass sich dieses Bild ändern wird, je weiter ich mich vom Hafen entferne. Ich stelle mir einen ruhigen Strandabschnitt vor, ohne Liegen, ohne lästige Kellner. Tja, diesen Ort finde ich leider bei meiner gesamten Runde nicht. Es gibt tatsächlich keinen einzigen Abschnitt, der nicht bebaut, nicht mit Stühlen oder Sonnenbetten zugestellt ist. Die Lokale scheinen alle recht nett und gemütlich, richtig ansprechen tut mich allerdings nichts. Die lokale Küche scheint hier mehr und mehr in den Hintergrund zu treten. Italiener, Mexikaner und Co. stillen den Hunger der Touristen. In ein paar Jahren wird vermutlich auch hier eine Starbucks Filiale eröffnet werden. Ja, und so kommt es, dass ich meinen Spaziergang beende, ohne auch nur einmal im Wasser gewesen zu sein, ohne in einem der Lokale Platz genommen zu haben.

Es zieht mich direkt wieder in mein kleines Veggie-Lokal wo ich mich nach der laaaaangen Wanderung mit einer sensationellen Smoothie Bowl stärke.

Nach dieser Pause gehe ich zurück in die Unterkunft, schwimme ein paar Runden im Pool. Zum Abendessen finde ich mich wieder im gleichen Restaurant ein. Man kennt mich bereits. Klar, ich bin ja schon so etwas wie eine Stammkundin.

Da mich der Strand jetzt nicht wirklich umhaut und ich auf der Bootstour genug Schnorchel-Abenteuer hatte, beschließe ich an meinem zweiten Tag einfach in meiner Anlage zu bleiben. Ich nutze mein All-Inclusive-Yoga-Package total aus und besuche gleich drei Klassen (Morning-Flow, Aqua Yoga und Yin Yuga stehen am Speiseplan). In den Pausen zwischen den Klassen liege ich einfach mal faul am Pool herum.

Und natürlich gehe ich am Abend wieder in mein Lieblings-Lokal, schließlich muss ich mich ja verabschieden 🙂

Tag der Abreise. Ich entscheide mich dafür keines der Speed-Boats zu buchen sondern die öffentliche Fähre zu nehmen. Man kauft für heiße 70 cent ein Ticket am Hafen und wartet… und wartet… und wartet. Solang bis genug Menschen ebenso eine Fahrkarte gekauft haben. Nach 30 Minuten kommt ein Typ, der mir sagt, dass es noch rund zwei Stunden dauern kann, bis sich genug Passagiere gefunden haben. Er bietet an, dass er uns (es warten noch drei andere Touristen) um zusätzliche 3 Euro sofort nach Lombok bringen kann. Wir tauschen uns kurz aus und beschließen diese Option in Anspruch zu nehmen. Schließlich müssen wir rechtzeitig unsere Flüge erwischen. Ein paar Minuten später besteigen wir unser Boot. Und erkennen, dass wir absolut beschissen wurden (sorry, aber es ist das treffendste Wort). Das Boot ist voll mit Einheimischen. Tja, und die werden wohl kaum die zusätzlichen 3 Euro bezahlt haben. Ärgern lohnt sich nicht… kommt vor… mit den Touris kann man das ja machen.

Die drei anderen Jungs erzählen mir, dass sie gleich gemeinsam mit dem Boots-Transfer um 12 Euro auch einen Pick Up zum Flughafen gebucht haben. Ich schließe mich Ihnen an. Muss aber auf Lombok erst noch ein extra Ticket kaufen. Wieder wollen sie 12 Euro verrechnen. Aber sicher nicht. Ich erkläre den Herren also, dass ich bereits viel zu viel für das Boot bezahlt habe und ich nicht gewillt bin jetzt nochmal den vollen Betrag zu zahlen. Warum auch?! Ich gebe Ihnen also nur 9 Euro, womit ich wieder auf den insgesamt 12 bin. Somit hab ich die zusätzlichen 3 Euro Abzocke wieder herinnen.

Und jetzt? Schreibe ich diesen Bericht, während ich auf meinen Flug nach Kuala Lumpur warte. Und diesmal habe ich mehrfach geprüft, ob ich das richtige Datum ausgewählt habe 🙂

Ein Gedanke zu „#32: Eat, Walk, Yoga – Über entspannte Tage auf einer gar nicht so entspannten Insel.“

  1. Hehe 😂 schön, dass du dich noch an die „Maske“ erinnern konntest 👏🏻😄

    Ja, übers Beschissen werden kann ich ein Lied singen. Waren doch damals die Philippinen mein erstes asiatisches Land, in dem ich Urlaub machte. Bei der Ankunft war ich noch so naiv und dachte mir, dass das von dem Herrn, der meinen Koffer zum Boot zu tragt, total nett ist – bis er dann beim Boot die Hand ausgestreckt hat und dafür Geld wollte … auf dem kleinen Boot, das uns zur anderen Insel brachte haben sie von uns das vielfache mehr verlangt als von den restlichen einheimischen Bootsinsassen … und das obwohl bei unserer Reise alle Transfers inkludiert waren – zumindest haben wir damals von der Hotelanlage das Geld zurück bekommen und dazu gemeint, dass das leider öfters passiert. Und auch beim 2. Transfer haben sich 2 Typen als Hotelangestellte, die uns abholen, ausgegeben und unsere Koffer zum Auto getragen – das Auto war das richtige, der Chauffeur auch, aber die 2 Typen waren irgendwelche Leute und wollten dann wieder Geld – so ne Dreistigkeit mag ich gar ned und das stört mich fast am meisten in solchen Ländern, aber ja … gut, dass es umgerechnet nie viel Geld war 😉

    LG Bernie

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