#31: I am Sailing, Teil 2 – Über Drachen und 50 Shades of Pink.

Bootstour von Flores nach Lombok (Indonesien)

Und hier ist er nun, der Erlebnis- und Erfahrungsbericht meiner Gruppenreise auf hoher See. Ich hoffe ihr verzeiht, dass der Beitrag ein wenig länger geworden ist. Aber schließlich waren es vier Tage und viele Eindrücke. Und ein Resümee gibt es auch am Ende…

Tag 1:

Nachdem alles verstaut ist, heißt es auch schon „Leinen los“. Wir wundern uns ein wenig, dass es gar so schnell geht. Es gibt weder eine offizielle Begrüßung noch Instruktionen über das Leben an Board (bis zum Schluss erfahren wir nicht wo die Schwimmwesten sind… oder ob es diese überhaupt gibt…). Aber gut, Zeit ist Geld und wir haben ja ein dichtes Programm vor uns.

Während die Maschinen bereits laufen und wir den Hafen verlassen sucht sich jeder der 25 Passagiere seine Matratze aus. Ich halte mich für super schlau und wähle einen Platz am Rand. So habe ich zumindest nur an einer Seite einen Nachbarn und eventuell etwas mehr Bewegungsfreiheit. Dass ich dadurch aber auch weniger vom Wind geschützt bin als in einer Sandwich-Position, wird mir erst in der Nacht bewusst…

Nach und nach mache ich mich mit meinen Mitreisenden bekannt. Ich bin ein wenig überrascht. Da es sich bei diesem Trip um ein Low-Budget-Backpacker-Abenteuer handelt, rechne ich mit vielen jungen Individualreisenden. Tatsächlich liegt der Altersschnitt bei ca. 30. Und tatsächlich sind viele Paare dabei. Merkwürdig… aber wie gesagt der Trip ist super günstig, was natürlich ein starkes Argument ist (140 Euro inkl. drei Mahlzeiten pro Tag, Eintritt für den Nationalpark und Transport von Lombok nach Bali oder auf eine der Gili Inseln am Ende).

Erstes Ziel: Rinca Island. Mission: Finde den Komodo Waran. Sehr merkwürdige Geschichten kursieren im Internet über diese Tiere. Die wohl eigenartigste ist meiner Meinung nach, dass sich Frauen während ihrer Periode den Geschöpfen nicht nähern dürfen. Das Risiko eines Angriffs liege quasi bei 100 Prozent… naja…

Wir wandern rund 2 Stunden auf der Insel umher. Und haben Glück. Wir können einige dieser mystischen Wesen erspähen. Kaum zu glauben, dass die Tiere tatsächlich so gefährlich sein sollen. Der Guide bestätigt dies aber. Tatsächlich sind die Viecher giftig. Sie beißen ihr Opfer, spazieren gemütlich hinterher bis das Gift wirkt und können es dann in aller Ruhe verspeisen. Mutter-Komodo frisst ihre Babies auf, wenn diese es nicht schaffen, sich gleich nach dem Kampf aus der Eierschale auf einen Baum zu retten. Nette Gesellen also.

Während wir auf Drachen-Jagd sind, bereitet die Crew unser Mittagessen zu. Es ist absolut köstlich. Reis mit Gemüse und Tofu, frisches Obst als Dessert.

Nach einer gut zweistündigen Bootsfahrt, die für ein Schläfchen an Deck genutzt wird, erreichen wir unser nächstes Ziel. Pink Beach. Der Name ist Programm… äähhh nicht. Die Erwartungshaltung ist ein rosa leuchtender Strand. Die Realität ist weißer Sand, in dem teilweise rote Korallenstücke zu finden sind. Ich will dem Flecken Erde aber nicht Unrecht tun. Vielleicht ist die rosa Erscheinung an anderen Tagen stärker. Auch ohne pinken Farbton ist der Strand ein absolutes Highlight. Der Sand ist fein wie Backpulver. Taucherbrille auf, Schnorchel rein. Die Unterwasserwelt ist der Wahnsinn, kann fast mit den Bildern mithalten, die ich beim „richtigen“ Tauchen gesehen habe. Wunderschöne Korallen, Fische in allen Farben, kristallklares Wasser.

Letzter Stopp für heute: Komodo Nationalpark. Wieder begeben wir uns auf die Suche nach den Dragons. Wieder mit Erfolg. Wir betrachten die Tiere in einem Abstand von rund 5 Metern. Noch immer kann ich nicht glauben, dass diese Gestalten so gefährlich sein sollen. Aufgrund ihres wackeligen Gangs wirken sie extrem schwerfällig und träge, fast ein wenig amüsant. Als sich jedoch einer der Dragons plötzlich erhebt und in unsere Richtung wackelt wechsle ich aber dennoch ganz schnell in die hintere Reihe… sicher ist sicher.

Ich frage mich bereits den ganzen Tag, wie sich die Gruppendynamik entwickeln wird. Bei einem solchen Low-Budget-Trip kann es natürlich gut sein, dass sich das Ganze als Partyboot herauskristallisiert. Meist zeigt sich ja erst Abends, wie die Stimmung tatsächlich ist. Zu meiner Überraschung bricht keine wirkliche Feier-Stimmung aus. Der Großteil geht nach ein oder zwei Bierchen zwischen 8 und 9 ins Bett… ähh… auf die Matratze. Das liegt unter anderem vermutlich daran, dass wir am nächsten Morgen um 4.30 Uhr geweckt werden.

*****

Tag 2:

Ja, eigentlich dachte ich, dass ich mit den Sonnenaufgängen mittlerweile durch bin. Aber einer geht noch…

Mit dem Beiboot werden wir in zwei Etappen auf eine Insel gebracht. Auch diesen Sunrise muss man sich erst verdienen. Gefühlte 500 Stufen führen auf den Gipfel. Obwohl der Tag noch nicht einmal richtig begonnen hat, ist es bereits ziemlich warm. Wir finden einen guten Platz und setzen uns um das Spektakel möglichst gemütlich betrachten zu können. Ich werde mir nach meiner Rückkehr einmal den Spaß machen und meine bisherigen Sonnenauf- und Untergänge raten (ok… das mach ich wenn mir mal echt fad sein sollte…). Eines weiß ich bereits: dieser wird eine hohe Punktzahl bekommen. Der Himmel leuchtet zuerst in einem kräftigen Pink, das allmählich in einen satten Rotton übergeht, das Sonnenlicht spiegelt sich im Meer. Außer uns sind noch ein paar andere Touristen auf dem Berg, aber alles im Rahmen (die Gruppe Chinesen mit ihrer nervigen Drohne kreuzt unseren Weg glücklicherweise erst beim Abstieg).

Zur Belohnung wird uns bei unserer Rückkehr ein Bananen-Pancake serviert. Yummie.

Ich beschließe ein kurzes Schläfchen zu machen. Eines von vielen während dieser Tour. Ich weiß nicht genau woran es liegt, aber ich spüre eine lange nicht da gewesene Müdigkeit. Vermutlich ist es die Kombination aus Sonne, Wasser und dem sanften Schaukeln des Bootes. Zudem bin ich leicht erkältet. Vermutlich gönnt sich mein Körper einfach eine Ruhepause nach fast vier sehr intensiven und aufregenden Monaten.

Wir machen noch zwei Stopps zwecks Erkundung der Unterwasserwelt, schwimmen mit Rochen und (angeblich) Haien im glasklaren Wasser. Wieder bin ich bereits gegen 20 Uhr im Land der Träume. Naja, zumindest erlebe ich den Sonnenuntergang noch, der hat es nämlich ebenfalls in sich… Wir fahren die ganze Nacht durch, was meinen Schlaf offenbar nicht stört. Zwischendurch weht eine durchaus steife Brise, vorsorglich habe ich genug Lagen bereit gelegt, die mich wärmen. Und es ist schon wirklich toll, direkt unter dem Sternenhimmel zu schlafen. Sollte man eigentlich öfter machen…

*****

Tag 3:

Ja, eigentlich dachte ich, dass ich mit den Sonnenaufgängen durch bin. Aber einer geht noch…

Ich wache ohne Wecker um 6 Uhr auf, sehe mir gemeinsam mit Anniina den Sonnenaufgang vom Deck aus an und schlafe weiter bis halb 9.

Gleich nach dem Frühstück fahren wir mit dem Beiboot auf die Insel Moyo. Unser Ziel ist ein wunderschöner Wasserfall. Um zum oberen Teil zu gelangen sind ein paar Klettereinlagen nötig, macht richtig Spaß.

Am Nachmittag halten wir noch einmal in einer Bucht zu einem finalen Schnorchel-Abenteuer und steuern dann das letzte Ziel an, die Insel Kenawa. Schon von weitem wirkt dieser Fleck wie aus einem Filmset: einsame Insel mit alleinstehender Hütte. Unser Guide verkündet, dass dies keine bewohnte Unterkunft ist, sondern eine kleine Bar, die wohl nur aufgrund dieser Bootstouren überleben kann. Eine spontane Fullmoon-Party auf der Insel wird ausgerufen…. hmmm… eigentlich hab ich absolut keine Lust. Ich will einfach nur schlafen, schlafen, schlafen. Gleich und gleich gesellt sich bekanntlich gern. Anniina ist in genau der selben Stimmung. Da aber alle fahren, fügen wir uns dem guten alten Gruppenzwang, ausnahmsweise. Wir bereuen es nicht. Es wird ein Lagerfeuer entzündet, kaltes Bier serviert, wie im Bilderbuch hat jemand eine Ukulele dabei. Ein guter Abschluss.

*****

Tag 4:

Ja, eigentlich dachte ich, dass ich mit den Sonnenaufgängen durch bin. Aber einer geht noch…

Aufgrund der Tatsache, dass ein paar von uns doch etwas länger gefeiert haben, ist die Sunrise Gruppe an diesem jungen Tag sehr klein. Nur sieben von 25 stellen sich dem letzten Abenteuer. Wir wandern einen kleinen Hügel hinauf. Ich persönlich genieße diesen Sonnenaufgang ganz besonders. Es ist eventuell einer der letzten auf meiner langen Reise. Und es ist absolut wunderbar, dass die Gruppe so klein ist. Der Sonnenaufgang ist still und ruhig, so wie ich es mag. Die Farben absolut einzigartig. Wie Zuckerwatte erstrahlen die Wolken in einem sanften Rosaton.

Die tapferen Wanderer erhalten zur Belohnung gleich zwei Pancakes. Langsam herrscht Aufbruchstimmung. Niemand liegt mehr faul an Deck herum. Jeder ist damit beschäftigt seine wenigen Habseligkeiten wieder im Rucksack zu verstauen. Nach kurzer Fahrt kommen wir im Hafen von Lombok an. Es wird noch ein obligatorisches Gruppenfoto vor dem Schiff geschossen, danach verteilt sich die Gruppe auf drei Minivans und macht sich auf den weiteren Weg.

*****

Das Fazit:

Ich bin extrem froh der Gruppenreise nochmals eine Chance gegeben zu haben. Ich korrigiere meine Aussagen über die erste Reise nicht. Bis auf weiteres würde ich an Land keine solche Tour mehr machen. Warum aber ist dieser Trip anders gewesen? Oh, ich denke da gibt es gleich mehrere Gründe. Und zwar diese:

1. Mit vier Tagen war diese Reise durchaus überschaubar. Zur Erinnerung: meine erste Gruppentour hat sich über zwei Wochen erstreckt. Doch ein Unterschied.

2. Diese Reise hätte man individuell schlichtweg einfach nicht machen können. Diese kleinen, unberührten Inseln sind wirklich noch ein absolutes Paradies. Es bleibt zu hoffen, dass dies noch lange so bleibt (und niemand auf die Idee kommt diese Flecken mit Resorts und Casinos zu bepflastern).

3. Ich bin mit einer ganz anderen Einstellung an die Sache heran gegangen. Ja, natürlich haben mich die letzten Monate auch viel offener und aufgeschlossener gemacht.

4. Ich habe letztendlich auf der ersten Gruppenreise etwas Wichtiges gelernt. Wenn man gemeinsam mit anderen Menschen reist, heißt es nicht, dass man 24 Stunden lang aufeinander hocken muss. Und so habe ich diesmal einfach immer gemacht wonach mir der Sinn war. Wollte ich plaudern habe ich mich zu den anderen gesellt, wollte ich schlafen habe ich mich auf meine Matratze gelegt (was ziemlich oft der Fall war).

Solltet ihr mal nach Indonesien kommen, so kann ich euch diesen Trip wirklich ans Herz legen. Ich bin immer vorsichtig mit Empfehlungen, aber diese spreche ich mit gutem Gewissen aus.

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