#28: Inhale and Exhale 2.0 – Über das Leben unter Wasser.

Was der Mensch alles kann. Er kann fliegen wie ein Vogel (wenn er in einem Flugzeug sitzt). Er kann schwimmen wie ein Fisch (wenn er eine Ausrüstung trägt).

Vor rund einem Jahr mache ich einen Schnupper-Tachkurs auf Zypern. Ich bin sofort absolut begeistert. Neben der wunderschönen Unterwasserwelt ist es vor allem diese unvergleichbare Stille, dieses einzigartige Gefühl der Schwerelosigkeit, was mich sofort fasziniert. Ich bin fest entschlossen, eines Tages einen Tauchkurs zu machen, um wieder und wieder die Chance zu haben diese mysteriöse Welt für eine Weile betreten… oder durchschwimmen… zu dürfen.

Im Rahmen meiner Reise gab es ein paar wenige Dinge, die fix auf meiner Liste standen. Diese Ausbildung war eines davon. Immer wieder bekomme ich die Empfehlung den Kurs auf der thailändischen Insel Koh Tao zu machen. Gut und Günstig lautet offenbar das Motto. Da mein Rückflug in Bangkok starten wird, scheint dies ideal. Klingt nach dem perfekten Abschluss meiner langen Reise.

Ja, manchmal kommt es anders als man denkt (oder plant). Und so lerne ich das Tauchen nun nicht in Thailand sondern in Indonesien. Nicht auf Koh Tao sondern auf Nusa Lembongan. Und diese Entscheidung ist absolut die richtige. Wie sehr mir der Ort gefällt, schildere ich ja eingehend im vorherigen Beitrag. Hier lässt es sich leben, das steht fest.

Kennt ihr das? Ihr übt eine Tätigkeit aus, vergesst dabei die Uhrzeit, verspürt keinen Hunger, denkt an nichts Anderes… Genau so ergeht es mir während der viertägigen Ausbildung. Schon die erste Einheit im Pool macht mir richtig Spaß. Wir trainieren verschiedene Szenarien, die uns auf das Leben unter Wasser bestmöglich vorbereiten sollen. Zudem lernen wir, wie man eigenständig das Equipment einsatzbereit macht.

Am zweiten Tag geht es bereits ins „richtige“ Wasser. Ein kleines Boot bringt uns ein paar Meter hinaus ins offene Meer. Ich habe keine hohen Erwartungen, schließlich sind wir nur wenige Minuten gefahren. Was soll man so nahe am Strand denn schon sehen?! Denkste. Als ich meinen Kopf ins Wasser halte, staune ich nicht schlecht. Eine Schar an bunten Fischen tummelt sich unter uns, so als ob sie nur drauf gewartet haben mit uns spielen zu dürfen.

Nachdem wir all unsere Vorbereitungen getroffen und letzte Checks durchgeführt haben bewegen wir uns langsam, Meter für Meter, in die Tiefe. Absolut magisch. Dieses Gefühl der Schwerelosigkeit ist einfach nur genial. Nach ein paar Flossenschlägen halten wir an. Es ist Zeit für ein paar Übungen, schließlich sind wir nicht nur zum Vergnügen hier unten… So müssen wir zum Beispiel unser Mundstück herausnehmen, es fallen lassen und wieder einsetzen, versuchen ohne die Arme und Beine zu Hilfe zu nehmen im Wasser zu schweben, nehmen unsere Brillen ab um sie danach wieder aufzusetzen. Alles klappt perfekt. Wir bewegen uns weiter, beobachten die vielen bunten Fische, erfreuen uns an der farbenprächtigen Welt.

Plötzlich bemerke ich, wie langsam immer mehr Wasser in meine Brille eindringt. Ich versuche das Problem auf die Art zu beheben, wie es uns gezeigt wurde (und wie es bisher auch immer problemlos funktioniert hat wohlgemerkt). Man drückt gegen den oberen Rand der Maske und atmet durch die Nase aus. Klingt einfach, ist es auch. Eigentlich… diesmal will das aber einfach nicht klappen. Immer mehr Wasser gelangt in das Innere meiner Brille. Wieder und wieder versuche ich es auszublasen. Es funktioniert nicht. Im Gegenteil. Nach kurzer Zeit hat sich der gesamte Bereich mit Wasser gefüllt. Dies beeinträchtigt nicht nur die Sicht enorm, es ist vor allem ein sehr unangenehmes, irgendwie beklemmendes Gefühl.

Mein Atem wird schneller und schneller. Für kurze Zeit verliere ich komplett die Orientierung, kann weder meinen Lehrer noch meinen Buddy sehen. Ein leichtes Gefühl der Panik breitet sich aus. Ich verspüre sofort den starken Drang an die Oberfläche schwimmen zu wollen, blicke sogar bereits Hilfe suchend nach oben. Ich kann jedoch so klar denken, dass ich weiß, dass dies keine Option ist…

Und wieder befinde ich mich ein einer Situation, in der es absolut essentiell ist ruhig zu bleiben… oder zu werden. Ich schließe meine Augen und greife auf meine Standard-Methode zurück. Einatmen – Ausatmen. Noch nie war es vermutlich so wichtig und hilfreich wie in dieser Lage. Und… es klappt. Meine Atemzüge verlangsamen sich. Das Gefühl der Panik verschwindet genau so schnell wie es gekommen ist. Meine Brille ist nach wie vor voller Wasser, aber es bereitet keinen Stress mehr.

Und nach kurzer Zeit ist auch bereits mein Tauchlehrer an meiner Seite. Er sieht sofort was los ist, schafft es allein durch seinen entspannten Blick und ein paar ruhige Bewegungen, die mir signalisieren ich solle weiter tief atmen, meinen Puls endgültig wieder in einen normalen Bereich zu lenken. Als ich erneut versuche das Wasser auszublasen, klappt es sofort.

Wir können unsere Erkundung somit weiter fortsetzen. Es ist unfassbar, wie verschiedenartig die Fische sind. So viele Muster, so viele Farben, so viele Formen Die ersten beiden Tauchgänge werden im „House Riff“ absolviert. Die dritte Exkursion führt uns in die „Manta Bay“. Die Bucht heißt nicht umsonst so. Hier stehen die Chancen gut, einen Manta-Rochen sehen zu können. Garantie gibt es natürlich keine. Aber offenbar so etwas wie Anfängerglück. Wir sehen gleich zwei! Das erste eher kleine Exemplar bewegt sich ganz langsam am Grund. Wir betrachten ihn eine Weile als unser Dive Master nach oben zeigt. Ein riesiger Manta schwebt über uns, zieht wie eine Wolke an uns vorbei. Ich bekomme sofort eine Gänsehaut.

Schon jetzt freue ich mich, auf die vielen Erlebnisse, die ich noch unter Wasser haben werde. Das war sicher erst der Anfang. Suchtpotenzial definitiv hoch…

2 Kommentare zu „#28: Inhale and Exhale 2.0 – Über das Leben unter Wasser.

  1. Aaaaalso .. nochmals herzliche Gratulation zu deiner bestandenen Prüfung und den so toll absolvierten Prüfungstauchgängen 👏🏻😄 Übung macht die Meisterin 😅

    Wenn du in unserer Tauchschule gelernt hättest, hättest jetzt locker 4 Runden springen lassen müssen, da das die TauchMASKE und nicht die TauchBRILLE ist (für alle die‘s nicht wissen, der Unterschied liegt darin, dass bei der Maske diese die Nase miteinschließt ☝🏻) – glaub‘s mir ich hab‘s mir nur so gemerkt, indem die ein oder andere Runde auf mich ging 🤭😅 aber ich denke, bei einem Kurs auf Englisch kriegt man des ned so deutlich mit 😉

    Auf jeden Fall beneid ich dich gaaaanz stark wegen deiner Manta-Erfahrung *seufz* die fehlt mir immer noch, aber vl hab ich ja heuer auf Bali auch endlich Glück 🙏🏻👀🍀🍄

    Ich wünsch dir noch ganz viele schöne Erlebnisse in deiner zukünftigen Tauchkarriere 😘

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