#25: City of Contrasts – Über die Faszination von Gegensätzen.

Singapur.

Insel. Stadt. Staat.

Ja, dieser Ort stand ohnehin auf meiner Wunschliste. Nun bin ich hier, schneller als gedacht. Und fühle mich ab der ersten Sekunde wie auf einem anderen Planeten. Seit 14 Wochen sind mein Rucksack und ich nun bereits unterwegs. Ich war in Indien, Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass es Löcher im Boden anstelle von Toilettensitzen gibt, dass man einfach über die Straße geht wenn man glaubt dass der Zeitpunkt richtig ist, dass ich ein paar wenige Euro für mein Essen bezahle, dass ich quasi im Pyjama durch die Gegend laufen kann.

Singapur ist das absolute Kontrastprogramm. Alles ist sauber (und das ist nicht annähernd der richtige Ausdruck). Alles ist geregelt. Alles ist teuer. Vieles ist verboten (wie ich bereits am Flughafen leidvoll erfahren muss). Irgendwie fühle ich mich völlig Fehl am Platz. Mit meinem Outfit, mit meinen Haaren (die längst geschnitten und gefärbt gehören), mit meinen Erfahrungen aus den anderen Ländern. Und dennoch zieht mich diese Stadt sofort in ihren Bann. Und bei 5.6 Millionen Einwohnern werde ich hoffentlich auch nicht so herausstechen mit meinem aktuellen Look…

An meinem ersten Tag begebe ich mich auf die klassische Sightseeing Tour. Ursprünglich habe ich den Gedanken China Town auszulassen. Ein solches Viertel gibt es schließlich in fast jeder anderen Grossstadt. Zum Glück begehe ich diesen Fehler nicht, denn es ist absolut sehenswert. Schöne Fassaden und gemütliche Gassen prägen das Bild. Keine Hektik, kein Trubel.

Ich setze meine Erkundungstour im historischen Viertel fort. Die alten Gebäude sind äußerst imposant. Wirklich spektakulär wird das Bild jedoch durch den Kontrast den man hier erleben kann. Hinter den alten Gebäuden ragen futuristische Wolkenkratzer hervor. Ich persönlich finde diesen krassen Gegensatz der Stile und Epochen extrem spannend.

Das Ausmaß der Skyline offenbart sich mir aber erst, als ich in Marina Bay ankomme. Als ob Kinder Bauklötze aufgestellt hätten reiht sich ein Wolkenkratzer an den andern. Alles wirkt irgendwie unecht und skurril. Ich komme mir winzig klein vor als ich vor den Türmen stehe. Aber es hat etwas. Definitiv. Normalerweise bin ich eher für Berggipfel und Wasserfälle zu begeistern. Aber dieser Anblick fasziniert mich in dem Moment gleichermaßen.

Nach einem Besuch im ArtScience Museum (an dieser Stelle bin ich zu faul für Details) spaziere ich weiter in Richtung Gardens by the Bay. Es handelt sich dabei um eine riesige Parkanlage inklusive Regenwald und Co. Schon sehr merkwürdig. In den letzten Wochen habe ich viel Zeit in der „echten“ Natur verbracht, bin durch den Dschungel gewandert, in Wasserfällen geschwommen. Und nun stehe ich auch mitten in der Natur. Mit dem kleinen Unterschied, dass nichts hier von selbst gewachsen und gedeiht ist. Alles wurde von Menschenhand nach einem genauen Plan „konstruiert“. Herzstück der Anlage sind die sogenannten Supertrees, vertikale baumähnliche Gebilde mit einer Höhe von bis zu 16 Etagen. Irgendwie cool, irgendwie schräg.

Nachdem ich mir diesen „Wald“ zuerst bei Tageslicht ansehe, finde ich mich erneut Abends hier ein. Grund: die tägliche um 19.45 stattfindende Lichtshow. Pünktlich auf die Minute erstrahlen die Bäume in bunten Neonlichtern. Es ist Retro-Abend. Das visuelle Spektakel wird also von Songs aus der Vergangenheit begleitet. Zu meiner Freude startet das ganze mit „I wanna hold your Hand“ von den Beatles. Naja. Nett ist es ja. Aber irgendwie auch extrem kitschig.

Bevor ich mich auf den Heimweg in mein Hostel mache, beschließe ich noch eine Kleinigkeit in einem der vielen Hawker Centre (Fressmeilen quasi) zu essen. Ich habe zwar an diesem Tag viele, viele Kilometer zurück gelegt, möchte aber trotzdem auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten und zu Fuß retour gehen. Ja, wer schon mit mir auf Städtereise war kann ein Lied davon singen: es wird viel gegangen 🙂

Und wieder einmal werde ich darin bestätigt, dass es sich lohnt eine Stadt per pedes zu erkunden. Als ich an der Marina Bay vorbei komme, hat sich bereits eine Traube an Menschen am Geländer versammelt, alle Blicke aufs Wasser gerichtet. Es ist 3 Minuten vor 9 Uhr. Hmmm… vielleicht passiert hier ja gleich etwas…?! Und so suche auch ich mir einen Platz in der Menge, gespannt auf… was auch immer passieren wird…

Und wieder gehen die Uhren in Singapur pünktlich. Von einer Sekunde auf die andere schießen Wasserfontänen in die Höhe. Die ganze Bucht leuchtet in allen Farben. Dazu klassische Musik. Ich habe sofort eine Gänsehaut. Durch Zufall bin ich also in die täglichen Lasershow geraten. Nun möchte man meinen, dass auch dies völlig inszeniert und kitschig ist. Inszeniert ja, kitschig nein. Die Show ist absolut faszinierend und extrem spektakulär. Es werden nicht einfach wild Laserstrahlen ins Wasser gerichtet, sondern verschiedene Bilder erzeugt. Wie kleine Kunstwerke schweben sie über dem Wasser. Unfassbar schön. Und irgendwie überkommt es mich. 15 Minuten lang rinnt eine Träne nach der anderen herunter. Einfach weil es so schön anzusehen ist. Ohhh… ich weiß 🙂 Ja, es sind nicht nur die natürlichen Spektakel die einen verzaubern können…

Den zweiten Tag in dieser Metropole lasse ich etwas ruhiger angehen (und fahre sogar die ein oder andere Strecke mit der U-Bahn). Ich schlendere durchs Hipster Viertel der Stadt, nutze die Gelegenheit um neue Socken und Unterwäsche zu kaufen, fahre mit dem Touristen-Boot. Und mache das, was ich in Städten am liebsten tue: bei einem Bierchen den Trubel beobachten.

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