#24: Red Hot Chilli Peppers – Über eine Bekanntschaft mit dem Gesetz.

Nachdem ich die Strapazen am Flughafen in Yangon (Myanmar) überstanden habe, freue ich mich darüber planmäßig in Singapur anzukommen. Der Flughafen scheint bereits die erste Sehenswürdigkeit der Stadt zu sein. Wenn man jemals an einem Airport dieser Welt strandet, so kann man sich nur wünschen, dass es dieser ist. Alles ist unglaublich modern und sauber (und das nicht nur in Relation zu meinen letzten Stationen). Das Areal scheint riesig zu sein, umfasst ein Kino, einen Pool und sogar einen Tropengarten. Irgendwie komme ich mir in meinem üblichen Backpacker-Pyjama-Outfit richtig fehl am Platz vor.

Mein Rucksack ist bereits nach wenigen Minuten bereit wieder von mir geschleppt zu werden und so mache ich mich auf den Weg in Richtung Ausgang. Bevor man die Ankunftshalle verlassen darf, wird das Gepäck erneut gescannt. Ich rege mich kurz bei einer anderen Reisenden über dieses Procedere auf. Was hat das für einen Sinn? Am Flughafen-Gelände kann ich ja ohnehin (vermutlich) keine Drogen und Waffen erstehen…

In der Annahme, dass es sich also nur um eine Formsache handelt (Arbeitsplatzbeschaffung und so) nehme ich meinen Rucksack vom Band und will mich bereits abwenden. Plötzlich spricht mich ein Beamter an. Ich müsse stehen bleiben. Mein Gepäckstück ist auffällig. Aha?! Dreckig und löchrig ja… aber auffällig?!

Er geht mit mir in eine Ecke und fragt, ob ich ein Pfefferspray dabei habe. Ach so. Ok. Ja, das habe ich. Mein sich um mich sorgender Bruder hat es mir zu Weihnachten geschenkt. Ich muss gestehen, ich habe es auf meiner ganzen Reise stets in einem kleinen Beutel in meinem Rucksack gehabt und noch kein einziges Mal ausgepackt. Bei den ersten Flügen im Rahmen dieser Reise wundere ich mich manchmal noch, weshalb es damit nie ein Problem gibt. So musste ich etwa in Indien sämtliche Feuerzeuge und Batterien abgeben, auf die „echte“ Waffe hat niemand geachtet.

Da die Einreise nach Singapur zudem schneller als erwartet gekommen ist, habe ich mich vorab auch überhaupt nicht mit irgendwelchen Bestimmungen beschäftigt. Hätte ich mal machen sollen. Es ist so Manches verboten hier.

Ich bin aber absolut tiefen entspannt. Gehe davon aus, dass ich das Spray einfach abgeben muss und von Dannen ziehen kann. Tja, so einfach ist das leider dann nicht.

Der Beamte erklärt mir, dass er die Polizei einschalten muss. Bitte wie?! Scherz oder?! Leider nein. Und so marschieren wir umgehend ins Büro der Airport-Police. Der Beamte ist wirklich ausgesprochen nett. Er erklärt mir sicher 10 mal, dass ich mir absolut keine Sorgen machen müsse. Ab dem dritten Mal kommt es mir mehr als merkwürdig vor, dass er das so oft betont. Muss ich mir Sorgen machen?! Noch nicht.

Ich nehme also in einem kleinen Büro Platz und warte auf… keine Ahnung… mein Verhör? Ich muss meinen Pass abgeben, mein Flugticket zeigen und diverse Standard-Daten angeben. War’s das? Nein, es werden noch zwei andere Polizisten kommen, die ein paar Fragen an mich haben.

Langes Warten. Ich sehe mich ein wenig in der kleinen Kammer um. An der Wand hängen mehrere Plakate, die erklären, was man alles nicht nach Singapur einführen darf. Hmmm… das geht definitiv über die logischen Dinge (Gewehre, Handgranaten, Klappmessser und das ach so böse Wasser) hinaus. So darf man auch keinerlei Lebensmittel, Medikamente, E-Zigaretten usw. in dieses Land bringen. Im Geiste scanne ich selbst erneut meinen Rucksack. Beim Thema Medikamente werde ich ein wenig stutzig. Natürlich habe ich eine Reiseapotheke dabei. Doch über die Standard Medikamente aus Europa mache ich mir weniger Gedanken. Für leichte Verunsicherung sorgen die Pulver, die ich beim Ayurveda Arzt in Indien erstanden habe. Diese sind zwar mit einem Beleg versehen, aber ob das im Fall des Falles ausreicht?! Und der Satz auf dem Plakat „Drug Traffic – Death Penalty“ trägt nicht unbedingt zu meiner Entspannung bei…

Meine Gedanken werden schlussendlich von den angekündigten Beamten unterbrochen. Im Gegensatz zu den bisherigen Kameraden, die wirklich ausgesprochen nett waren, machen die beiden offenbar auf „böser Bulle“. Ganz geduldig und artig antworte ich auf ihre vielen Fragen. Woher ich komme… in welchen Ländern ich vorher war… wie lange ich bleibe und warum und wo genau… seit wann ich das Pfefferspray habe… von wem ich es gekauft habe…

Tja, da mein Bruder nun offiziell als Waffenhändler vermerkt ist, wird ihm eine Einreise nach Singapur zukünftig verweigert werden. Kleiner Scherz. Ich habe mich unter Folter geweigert Namen zu nennen 😉

Ich gestehe an dieser Stelle mich einer Falschaussage schuldig zu machen. Bei der Frage nach meinem Beruf schwindle ich ein wenig. Irgendwie habe ich das Gefühl dass „Arbeitslos“ vielleicht weniger gut ankommen könnte und eventuell für weitere Fragen sorgt. Also sage ich irgendetwas von wegen „Sales“. Ist ja nicht ganz gelogen. Meinen Job als Key Account Manager habe ich ja tatsächlich nicht mehr, sehr wohl vertreibe ich aber nach wie vor das ein oder andere auf willhaben 🙂

Ich muss noch diverse Formulare unterzeichnen und werde letztendlich in die Freiheit entlassen. Bevor ich gehe erkundige ich mich noch nach eventuellen Konsequenzen. Keine. Beim ersten Mal. Welche Strafe ein zweiter Fehltritt zur Folge haben könnte, frage ich lieber nicht. Man muss nicht alles wissen.

Ps. Ein Foto im Polizei-Büro zu machen ist eigentlich auch verboten 🤭

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