#21: Ticket to Ride – Über das von A nach B.

Schon bemerkt? Meine Titel stammen neuerdings immer von Songtexten. Gewöhnt euch lieber nicht dran. Das ist Ausnahmsweise wirklich Zufall.

Nun habe ich in meinem letzten Beitrag versprochen, dass es eine Geschichte über meine abenteuerliche Busfahrt von Bagan zum Inle See geben wird. Nun ja. Wie bereits erwähnt buche ich in meinem Hostel ein Ticket für eine Nachtfahrt. „Shared Seat“ lautet die Kategorie. Da ich bereits so manche Nachtbusreise hinter mir habe, weiß ich was mich erwarten wird. Ich werde meine Liege mit einem völlig fremden Menschen teilen müssen. Es ist nur zu hoffen, dass es sich dabei um eine zierliche, wohlriechende Dame handelt, die von Sekunde 1 in einen komatösen Zustand verfällt.

Ich staune nicht schlecht, als ich in den Bus einsteige. Erstens: es ist pico bello sauber (war nicht immer der Fall). Zweitens: Die Temperatur ist total angenehm, nicht zu warm und nicht zu kalt (war nicht immer der Fall). 3. Es gibt keine Liegen sondern Sitze, deren Lehnen man weit zurück klappen kann. Somit habe ich zwar einen Nachbarn, der aber letztendlich einfach nur neben mir sitzt (was sehr wohl ein Unterschied ist als wie wenn man sich zusammen auf einer Liege befindet).

Wunderbar. Es gibt nur ein Problem: über was soll ich jetzt schreiben? Ok, noch sitze ich im Bus. Ein Abenteuer kommt schneller als als man „Nachtbus“ sagen kann. Aber gehen wir mal davon aus, dass alles wie geplant verläuft und ich um 4.30 Uhr morgens wieder aus diesem Bus aussteigen werde.

Da ich natürlich nicht gleich einschlafen kann (es ist erst 21.30 Uhr und die Straßen sind holprig) muss ich an meine bisherigen Fortbewegungsmittel auf meiner Reise denken. Was hatten wir da alles (der Ordnung halber jeweils der Größenordnung nach aufsteigend):

Fahrrad, Mountainbike, E-Roller, Roller, Fahrrad-Riksha, Tuk Tuk, Taxi, Pick-Up, Truck mit Sitzfläche für mehrere Personen (hat das einen Namen?!), Mini-Van, Busse in verschiedenen Größen, Speed-Boot, Fähre, Longboat, Kanu, Nussschale im See in Hampi, Zug, Flugzeug…

Hab ich etwas vergessen?! Bestimmt. Nein, keine Elefanten, never ever. Aber das Thema verlangt bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag. (Anmerkung: Update bei der Veröffentlichung dieses Beitrags – ein Pferd muss in der Liste ergänzt werden).

So, und welche Fahrten können in die Kategorie Abenteuer eingeordnet werden? Mal überlegen. Die Geschichte mit dem Speed-Boot in Kambodscha kennt ihr. Die Geschichte mit dem Transport über die Grenze von Laos nach Thailand ebenfalls. Und sämtliche Roller-Geschichten ja sowieso. Die Nachtbus-Fahren, die habe ich euch bisher jedoch vorenthalten. Vermutlich musste ich die Geschehnisse erst verarbeiten 😂

1. Reise von Goa nach Hampi

Meine erste Nachtbusfahrt muss ich zu meinem großen Glück nicht alleine begehen. Anja ist zu diesem Zeitpunkt noch an meiner Seite. Ganz vorbildlich bestellen wir unsere Tickets (für zwei Einzel-Liegen) ein paar Tage vor der Abreise im Internet. Nun, wir sind in Indien, nicht immer läuft hier alles, wie man es erwartet. Anstelle unserer fix reservierten Plätze sollen wir uns einfach irgendwo hinsetzen… bzw. hinlegen. Nach kurzem Austausch mit anderen Passagieren erfahren wir, dass dies wohl nicht der eigentlich vorgesehene Bus, sondern ein Ersatz ist. Warum, das wollen wir lieber gar nicht wissen… Somit landen Anja und ich doch in einem kuscheligen „Doppelbett“. Mit ein wenig Mühe schaffen wir es tatsächlich, nicht nur für unsere Habseeligkeiten, sondern auch für uns selbst Platz auf der kleinen Fläche zu finden. Und haben richtig Spaß. Wir nehmen ein Live-Video für Anjas Blog auf und kichern wie die Teenager auf Klassenfahrt. Nach rund 30 Minuten wechseln wir den Bus und kommen letztendlich doch noch auf unsere gebuchten Liegen.

Wie stellt man sich das eigentlich vor? Im Grunde ist es ein ganz normaler Bus, der jedoch keine Sitze hat sondern Stockbetten sozusagen. Um zumindest ein wenig Privatsphäre zu haben, kann man seinen Bereich mit einem Vorhang abschotten. Eine kleine Höhle quasi. Und ihr fragt euch sicher: Kann man da wirklich schlafen?! Yes! You can. Natürlich ist ein Nachtbus nicht mit einem Schlafzimmer vergleichbar, die Pritsche nicht mit dem eigenen Bett. Aber es ist ganz in Ordnung. Man spart Zeit, die gerade auf Reisen Gold wert ist. Und man spart Geld, weil man ja kein Hotel benötigt.

Ich schlafe also immer wieder ganz passabel ein, wache jedoch gegen 3 Uhr morgens auf, da jemand in meiner Nähe lautstark schnarcht. Genervt ziehe ich meinen Vorhang zur Seite (um was auch immer zu unternehmen). Dass ich nicht laut aufschreien muss, ist mir nach wie vor ein Rätsel… Ich schaue in ein anderes Gesicht, dunkel, rund 30 cm Entfernung. Aufgrund der Tatsache dass nur ein schwaches Nachtlicht an ist, brauche ich ein paar lange Sekunden bis ich die Lage erfassen kann. Da schläft einer, direkt vor meiner Liege, mitten auf dem Boden. Es ist der Beifahrer, der sich wohl mit dem Fahrer abzuwechseln scheint. Adrenalinkick pur sage ich euch…

2. Reise von Seam Reap nach Simhanouville (Küstenort zur Insel)

Ich werde mit einem dieser Transporter mit offener Ladefläche (so, wie heißen die nun bitte?!) vom Hostel abgeholt. Darin sitzt bereits ein junger Typ, schaut indisch aus, ist er auch, wohnt aber in England. Wir plaudern ein wenig über unsere vergangenen und zukünftigen Reisen. Das Gespräch endet am Busbahnhof wo wir das Transportmittel wechseln müssen. In Erwartung wieder meine eigene Liege inklusive Vorhang (und hoffentlich diesmal ohne Bettvorleger) zu haben steige ich ein. Dieser Bus hat jedoch gar keine Single-Liegen, sondern nur Doppelbetten. Ups. Nicht fein. Zumal auch sehr viele Einheimische vor dem Bus warten. Nicht dass ich mich fürchte, aber Asiaten haben in Bussen ziemlich nervtötende Verhaltensweisen (extrem lautes Telefonieren oder Videos schauen ohne Kopfhörer … bis hin zu auf den Boden spucken gibt es alles). Um diesem Risiko zu entgehen beschließen Kabir (ratet mal wie ich mir diesen Namen gemerkt habe…) und ich eine Liege zu teilen. Weniger dramatisch als erwartet… was den Platz angeht. Das Hauptproblem ist, dass die Klimaanlage im Bus nicht funktioniert und es dadurch gefühlte 50 Grad hat. Dennoch schaffe ich es überraschenderweise einzuschlafen. Leider hält der Bus relativ oft, sodass ich immer wieder aufwache. Wieder ein Stop. Kurz blinzeln. Weiterschlafen. Wieder ein Halt. Kurz blinzeln. Weiter… Moment… diese Aussicht kenne ich doch! Oh no. Wir stehen noch immer am selben Fleck. Und das seit 5 Stunden… Bus kaputt… welch glücklicher Mensch ich doch bin, dass ich die gesamte Wartezeit verschlafen habe. Kabir offenbar auch (der hat sowas wohl schon geahnt und extra Schlaftabletten genommen). Und so wird aus einer 12 Stunden Fahrt eine 17 Stunden Fahrt …

Im Grunde kann man gerade bei den Anreisen von A nach B so Manches erleben. Ich persönlich werde viele dieser Geschichten vermutlich besser im Gedächtnis behalten als die zahlreichen Tempel, die ich bestaunen durfte. Ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.

3 Gedanken zu „#21: Ticket to Ride – Über das von A nach B.“

  1. Also selbst wenn ich den Namen ausgesprochen hätte, wär mir das nicht aufgefallen … da hätt ich‘s eher noch mit „kapieren“ in Verbindung gebracht 😂😂 aber jetzt, wo ich‘s weiß, macht‘s Sinn ☺️

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