#19: Road to Mandalay – Über das Überwinden von Hindernissen.

Mandalay / Myanmar.

Myanmar, formerly known as Burma. An meinem zweiten Tag in Mandalay spüre ich, dass es mal wieder an der Zeit ist, meiner Roller-Leidenschaft nachzugehen… Die Stadt an sich ist ganz nett, die wahren Schätze sollen sich aber im Umland verbergen. Zum Glück bietet mein Hostel einen Scooter-Verleih an, so kann ich das schnell und unkompliziert organisieren.

Tja, Mandalay hat nun doch rund 1.2 Millionen Einwohner. Die meisten davon scheinen sich ebenfalls gleichzeitig mit mir auf der Straße zu bewegen. Von Idylle kann keine Rede sein. Ampeln gibt es zwar, diese werden aber gern ignoriert. Der beste Weg scheint es zu sein, sich einfach wieder einmal nach der Devise „Go with the Flow“ zu bewegen. Ich tu es also den Einheimischen gleich und fahre einfach dann wenn es geht. Nach ein paar Minuten habe ich mich völlig angepasst … und bereits wieder richtig Spaß.

Allein die Navigation ist heut ein wenig mühsamer, da ich des Öfteren abbiegen und dabei teilweise vierspurige Fahrbahnen queren muss. Und irgendwie lässt sich mein Handy, das mir die Route anzeigt, heute nicht richtig im kleinen Fach einklemmen. Zündende Idee. Ich hab doch Kopfhörer dabei. Spachansage! Klappt sensationell gut (wieder mal danke liebste Birgit für den Tipp mit der App 😊).

Mein erstes Ziel für heute ist Mingun. Fahrzeit rund 60 Minuten. Perfekt. Nachdem ich mich durch die hektische Großstadt gequält habe, wird mit einem Schlag alles wieder idyllischer. Myanmar scheint generell noch nicht in der Weise vom Tourismus heimgesucht, wie ich es zum Beispiel in Thailand erlebt habe. Selbst in Mandalay gibt es kaum „richtige“ Restaurants oder Cafés. Straßenstände und Garküchen dominieren nach wie vor. An meinem ersten Tag in der Stadt sehe ich keinen anderen weißen Menschen. Dementsprechend oft darf ich für Fotos posieren.

Der Ort Mingun ist sehr kompakt. Die Haupt-Sights reihen sich an einer Straße. Die Attraktion schlechthin ist die Mingun-Bell, ihres Zeichens die zweit größte intakte Glocke der Welt (3,70 Meter Höhe… falls es jemanden tatsächlich interessiert…). Die Pagoden sind jedoch wirklich sehenswert. Der Baustil scheint wieder ein völlig anderer zu sein als in den asiatischen Ländern, auf die ich bisher meinen Fuß gesetzt habe.

Nach einer kurzen Stärkung mit Pancake und Café geht es weiter in Richtung Sagaing, genauer gesagt auf den Berg der Stadt. Ich habe eigentlich keine hohen Erwartungen, staune aber nicht schlecht, als ich mich mit meinem Gefährt die schmalen Straßen hochwinde. Eine Pagode folgt auf die nächste, jede auf ihre Art und Weise wunderschön.

Am Gipfel angekommen besichtige ich die dortige Anlage. Aus einem Gebetsraum kommt gerade eine Gruppe Frauen. Genau, es ist wieder einmal Zeit für ein Gruppenfoto. Da sich die Leutchen immer dermaßen darüber freuen, willige ich immer ein (naja, fast immer)… und nutze stets die Gelegenheit für eigene Bilder.

Nächstes Ziel ist der Ort Inwa. Meine Fahrt endet abrupt, als ich direkt vor dem Fluss stehe. Ähmmm… sollte da nicht eine Brücke sein?! Klassisches Navigations-Fail. Wir alle kennen die Geschichten, wenn das liebe Navi mitten im Tunnel zu einem U-Turn auffordert. Ich will bereits kehrt machen, als mich eine junge Frau anspricht. In gebrochenem Englisch erklärt sie mir, dass ich sehr wohl den Fluss überqueren könne… Ach ja? Ach ja! Da steht ja ein Boot. Und schon wird mein Roller auf die kleine Fähre gefahren. Es gibt immer eine Lösung… oder auf gut österreichisch: Über jedes Bacherl geht a Brückerl… oder Booterl.

Und ich sage euch, es lohnt sich. Inwa ist nicht etwa eine Stadt. Es ist eine riesige Tempelanlage, in der jedoch auch viele Menschen leben. Zwei Fliegen auf eine Klappe also. Dorfidylle und Sightseeingtour in einem.

Man kann das ganze Areal mit dem Roller erkunden, zu Fuß wäre es kaum möglich alles abzuwandern. Zwischen Reisfeldern (die ausnahmsweise sogar richtig grün sind) und Banananplantagen ragen immer wieder kleine Pagoden oder Türme hervor. Manche davon sind restauriert und glänzen in der Sonne, andere sind völlig verfallen. Alles wirkt wie in einem Indiana Jones Film. Ich liebe es. Highlight ist ein Kloster, welches vollständig aus Holz errichtetet wurde und auf Pfählen steht.

Nach einer ausgiebigen Erkundungstour geht es mit dem Boot wieder zurück auf die andere Seite. Mein Roller und ich sind bereits bekannt. Letzte Station für heute ist die U-Bein-Brücke, von der man einen wunderbaren Sonnenuntergang erleben kann. Als ich ankomme, ahne ich schon nichts Gutes. Einige Reisebusse bahnen sich bereits ebenso ihren Weg in meine Richtung. Bei meiner Ankunft bietet sich ein völlig konträres Bild zu meinem bisherigen Tag. Eine Traube an Menschen steht bereits auf der Holzkonstruktion, der Rest ist auf dem Weg. Ich setze meine ersten Schritte auf die Brücke. Und muss gleich wieder stehen bleiben. Zu dicht ist das Gedränge bereits. Spannend jedoch ist, dass es sich bei den Besuchern fast ausschließlich um Asiaten handelt.

Ich mache nach wenigen Minuten kehrt. Sonnenuntergänge sind etwas intimes, etwas für Verliebte, etwas für Nachdenkliche, nichts für Massenansammlungen. Und so gebe ich meine Kopfhörer hinein, und bahne mir meinen Weg retour zu meinem Roller. Und genieße meine Fahrt zurück in die Stadt sicher mehr, als ich das in diesem Trubel gekonnt hätte.

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