#18: I did it Pai Way – Über Zufälle, Drogen und Tatoos.

Pai / Thailand.

Um mich nach den schweigsamen Tagen hinter den Klostermauern wieder sanft ins echte Leben zu begeben, beschließe ich, nicht direkt in die Großstadt Chiang Mai zurück zu kehren, sondern einen Zwischenstopp im idyllischen Backpacker-Paradies Pai (sagt das drei Mal schnell hintereinander :-)) einzulegen. Wieder einmal habe ich ein gutes Händchen was die Unterkunft betrifft. Ich beziehe einen kleinen Bungalow, der mich irgendwie an ein schwedisches Holzhäuschen erinnert.

Das Essen im Kloster war grundsätzlich sehr gut, Café und Kuchen habe ich jedoch vermisst. Als erstes Ziel steuere ich somit ein Lokal an, das mir von mehreren Menschen empfohlen wurde, die bereits in Pai gewesen sind. Mithilfe meiner App mache ich mich auf den Weg. Leider umsonst. Da die Thailänder nach dem Neujahrsfest Ferien haben, bleibt auch dieses Café geschlossen. Doch wieder einmal zeigt sich, dass nichts umsonst ist. Auf der gegenüberliegenden Seite entdecke ich – wie sollte es anders sein – eine Tafel, auf der eine Yoga-Einheit angekündigt wird.

Da mein Sport-Pensum gerade auf einem lange nicht da gewesenem niedrigen Level ist, ergreife ich die Gelegenheit und finde mich trotz 40 Grad am späten Nachmittag im kleinen Studio ein. Nach der Einheit plaudere ich mit meiner „Matten-Nachbarin“. Die Chemie zwischen uns stimmt wieder mal sofort und so gehen wir gemeinsam Abendessen.

Da wir nach der Yoga-Klasse recht hungrig sind, setzen wir uns gleich ins erste Lokal, das uns anspricht und ergattern einen Platz auf der kleinen Terrasse. Gifty (cooler Name, was?) und ich sind völlig in unser Gespräch vertieft, als mir plötzlich jemand auf die Schulter tippt. Das gibt es doch nicht… Wie klein ist bitte diese Welt?! Es ist Marley. Marley von der Gruppenreise (noch so ein genialer Name). Wie hoch ist die Chance, dass man sich irgendwo in Thailand zufällig wieder trifft?! Ich finde solche Begebenheiten immer extrem spannend. Sie lösen stets eine Wenn-Dann-Gedankenkette in mir aus. Wie zum Beispiel: wenn ich nicht zum Yoga gegangen wäre… wenn wir uns für ein anderes Lokal entschieden hätten… wenn wir im Innenbereich Platz genommen hätten… dann… naja… ihr wisst wie es weiter geht.

Wir plaudern noch eine ganze Weile zu dritt über die „guten alten Zeiten“ und tauschen die Erlebnisse unserer Reisen aus. Gifty und ich beschließen kurzerhand, am nächsten Tag gemeinsam einen Roller zu mieten. Das Zentrum von Pai ist wirklich nett, aber es soll Einiges im Umland zu erkunden geben.

Zu unserem Treffen am nächsten Morgen erscheine ich perfekt vorbereitet mit einer Karte auf der ich bereits die Highlights markiert und eine optimale Route eingezeichnet habe. Manchmal kommt halt doch noch die Planerin in mir durch. Naja, zumindest habe ich kein Excel-File erstellt.

Das erste Ziel ist die „Lod Cave“, rund eine Stunde entfernt vom Zentrum. Es ist mittlerweile sicher kein Geheimnis mehr, dass ich mich auf zwei Rädern absolut wohl fühle. Die heutige Strecke erweist sich allerdings als ziemliche Herausforderung. Die Straßen sind sehr steil und es geht von einer engen Kurve in die nächste.

Aber, es lohnt sich. Wir marschieren mit unserer Führerin durch die verschiedenen Gänge im Höhlen-System. Sie bleibt immer wieder stehen, zeigt mit dem Strahl ihrer Lampe auf einzelne steinerne Gebilde und beschreibt uns, was man mit ein wenig Phantasie erkennen kann. „Look, like a Buddha“, oder „Look, like Popcorn“, oder „Look, like a boobie“. Und sie kichert dabei jedesmal, als ob sie die Figuren selbst zum ersten Mal sehen würde. Das Highlight ist die Fahrt mit einem Bambus-Boot über den See, der sich im Inneren der Höhle befindet.

Nach dieser ersten Station steht uns erstmal der kurvenreiche Weg retour nach Pai bevor. Um uns von der langen Fahrt ein wenig zu erholen kehren wir in ein Café ein. Dieses wird in den Reiseführern und auch vor Ort empfohlen, da man einen wunderbaren Ausblick über die Reisfelder haben kann. Mit Betonung auf „kann“. Es ist Mitte April, Trockenzeit in Thailand. Eigentlich wird von Reisen zu dieser Zeit abgeraten. Hitze, Smog und Dürre sind die ständigen Begleiter. Natürlich muss die Landschaft hier wunderbar sein, wenn alles in einem satten Grün erstrahlt. Aber auch in dieser Form ist das Bild beeindruckend, irgendwie ein wenig surreal.

Wir steigen wieder auf den Roller, fahren kurz an der Hauptstraße entlang bevor wir auf einen schmaleren Weg abbiegen. Wie aus dem Nichts stehen plötzlich vier Polizisten vor uns, versperren uns den Weg. Grund: Drogen-Kontrolle. Wir müssen absteigen, unsere Rucksäcke vollständig leeren. Die Herren nehmen ihren Job sehr genau, blicken in jeden kleinen Beutel, sogar das Brillen-Etui wird inspiziert. Da ich diesen Beitrag nicht aus einer thailändischen Gefängniszelle schreibe, wisst ihr somit, dass wir (natürlich :-)) nichts dabei hatten. Zum Glück haben sie nicht in … ok, damit macht man hier keine Scherze.

Next stop: Land Split. Ja, die Bewohner von Pai wissen es ihre Region zu vermarkten. Nach kurzer Fahrt stehen wir vor einem großen Riss in der Erde, entstanden während der vergangenen Erdbeben. Nicht wirklich sehr spektakulär.

Dennoch verweilen wir für rund 30 Minuten an diesem Ort. Warum? Weil es die Bewohner von Pai auch wissen ihre Gäste zu verwöhnen. Während wir in einer Hängematte liegen bringt man uns ein paar kleine Schüsseln mit Snacks. Alles Bio, alles hausgemacht.

Nach dieser super entspannten Pause machen wir uns auf zur Bamboo Bridge. Diese sollte eigentlich über wunderschöne Reisfelder führen. Tja, ich wiederhole: es ist Trockenzeit. Macht aber nichts, wir haben trotzdem Spaß dabei, über die wackelige Konstruktion zu laufen.

Letzte Station: Sunset am Pai Canyon. Es ist zwar Low Season aber offenbar sind wir doch nicht die einzigen Touristen. Eine Traube an Menschen hat sich bereits auf dem Aussichtspunkt eingefunden, um die Sonne dabei zu beobachten, wie sie hinter den Hügeln verschwindet.

Wir beschließen das letzte Ziel (White Buddha) auszulassen. Zum einen knurren die Mägen ein wenig, zum anderen ist dieser nur über 353 Treppenstufen (oder waren es 374) zu erreichen.

Nach einem köstlichen Dinner in einem kleinen Lokal marschieren wir noch an der Walking Street entlang. Gifty beschließt kurzerhand sich ein Tatoo machen zu lassen. Und so blättere auch ich durch den Katalog. Warum eigentlich nicht. Manchmal muss man ja wirklich auch ein wenig Spontanität an den Tag legen. Ohne langes Zögern entscheide ich mich für zwei kleine Sterne, die ab sofort die Seite meiner rechten Hand verzieren sollen. Ist ja keine große Sache. So ein Tatoo hat man schließlich nur für … 10 Tage. Reingefallen 🙂

Um diesen ohnehin schon perfekten Tag abzurunden, gönnen wir uns noch einen Passion Fruit Mojito. Den hatten wir nach dem Tatowieren dringend nötig… Wir plaudern bis man uns aus dem Lokal wirft. Unter anderem über das Thema Zufälle. Also wieder dieses Wenn-Dann-Spiel… Und stoßen noch auf einen weiteren Ansatz. Viele Begegnungen mit Menschen hat man weil man aufgrund einer Aneinanderreihung von verschiedenen Handlungen eben zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort ist. Habt ihr euch aber schon mal gefragt, wie viele Begegnungen oder Wiedersehen man vielleicht verpasst hat?!

 

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