#12: Go with the Flow – Über den Plan keinen Plan zu haben.

Nong Khiaw / Laos.

Ich schreibe diese Geschichte während ich auf dem Balkon meiner absolut wunderbaren Hütte in Nong Khiaw (Laos) liege und einfach nur in die Landschaft starre. Wie ich hierher gekommen bin? Ich habe eigentlich keine Ahnung! Klingt komisch – ist aber so.

Die ersten Wochen meiner Reise sind komplett durchgeplant (3 Wochen Yoga Teacher Training in Goa, 2 Wochen Gruppenreise von Delhi nach Kathmandu). Ursprünglich will ich mir auch für die verbleibende Zeit einen konkreten Plan überlegen. Meine Absicht ist es nicht alles im Voraus zu buchen, jedoch möchte ich mir zumindest eine grobe Route überlegen. Und so verbringe ich viele Stunden im Internet. Ich recherchiere Reisezeiten, Sicherheitslage und Anforderungen in Hinblick auf die jeweiligen Einreisebestimmungen. Natürlich werden hierfür ausgefeilte Excel Files angelegt, die mich bei der Planung unterstützen sollen.

Doch irgendwie fühlt sich das alles nicht richtig an. Was mache ich hier eigentlich? Ist das wirklich sinnvoll? Was ist, wenn ich nach dem Aufenthalt in Bangkok doch nicht direkt auf eine Insel in Thailand möchte, weil ich vielleicht einfach keine Lust auf Strand habe? Was ist, wenn sich die Sicherheitslage in einem Land ändert? Was ist, wenn es in Kambodscha im April tatsächlich so heiss wird, dass ich es dort einfach nicht aushalte?

Und so beschließe ich, meine Excel Liste zu schließen und nichts mehr vorab zu planen. Und ich sage euch: das war die beste Entscheidung ever.

Ich buche noch einen Flug von Kathmandu nach Bangkok. Ab da sollen die Dinge einfach Ihren Lauf nehmen. Und das tun sie. Irgendwie führt einfach immer ein Schritt zum anderen. Ich mache einfach immer das, worauf ich als nächstes Lust habe (Strand oder Tempel, Natur oder Großstadt, Relaxen oder Trekking…).

In der Yoga Ausbildung lerne ich ein Paar aus Australien kennen. Die beiden haben zu diesem Zeitpunkt eine einjährige Weltreise hinter sich. Das ist natürlich super interessant und so löchere ich die zwei bei einem gemeinsamen Frühstück mit meinen Fragen. Die für mich wichtigste stelle ich gleich zu Beginn. Nämlich, ob sie denn die ganze Reise komplett durchgeplant haben. Die Antwort „wir haben keine Pläne, wir haben Optionen„. Diesen Ansatz finde ich absolut wunderbar.

Keinen Plan zu haben bedeutet nicht zwangsläufig sich blind von A nach B treiben zu lassen. Das mag sicher für den ein oder anderen stimmig sein, wäre mir persönlich aber too much. Und so schmökere ich sehr wohl immer wieder in meinem Reiseführer, lese den ein oder anderen Blog und unterhalte mich mit anderen Travellern (was im Endeffekt die aller beste Informationsquelle ist, wie sich wiederholt herausstellt). Um eben verschiedene Optionen für mich zu identifizieren. Wo die Reise dann aber tatsächlich hingeht, entscheide ich stets spontan. Und sogar wenn ich dann an meinem jeweiligen Etappen-Ziel angekommen bin, weiß ich im Grunde nie ganz exakt, was ich dort eigentlich konkret wann, wo, wie und mit wem mache.

Irgendwie habe ich mittlerweile das Gefühl, dass das auch gar nicht anders geht. Ich würde viele tolle Gelegenheiten verpassen, wenn ich einem vorab erstellten Plan folgen würde, ohne nach Links und nach Rechts zu schauen.

So habe ich mittlerweile auch den Mut, „Optionen“ auszulassen. Noch vor ein paar Jahren hatte ich auf Reisen immer den Drang (oder besser Zwang) alles sehen zu müssen. Aus Angst etwas zu verpassen, wollten am Ende der Reise geschätzte 90 Prozent der Vorschläge im Reiseführer mit einem Haken versehen sein. Dies kann ich mittlerweile selbst kaum noch nachvollziehen.

Der beste Beweis hierfür ist mein Aufenthalt in Phnom Penh (Kambodscha). Ich buche das Bett im Hostel für zwei Nächte. Am ersten Tag besuche ich die Killing Fields und das ehemalige Gefängnis S21, um mehr über die kambodschanische Geschichte zu erfahren. Da die Eindrücke, die ich dort gewinne, extrem bedrückend sind, beschließe ich den Tag gemütlich ausklingen zu lassen und mich einfach in ein nettes Café zu setzen. Eigentlich sollte ich am nächsten Tag bereits wieder weiter ziehen. Da ich mich aber noch für keine meiner Optionen entscheiden kann (Bemerkt? Ich sagte nicht „da ich noch keinen Plan habe“) buche ich eine weitere Nacht im Hostel. Hinzu kommt, dass die Idee einen eigenen Blog ins Leben zu rufen, zu diesem Zeitpunkt schon äußerst konkret ist.

Und so habe ich plötzlich einen zusätzlichen Tag in Pnom Penh. Wie ich diesen nutze? Tempel? Palast? Markt? Nein. Nach einem super leckeren Frühstück in einem entzückenden vegetarischen Café, gehe ich zurück ins Hostel und setze mich vor den PC im Gemeinschaftsraum… und verlasse diesen für 10 Stunden nicht mehr. Und siehe da: meine Website steht, ich kann den ersten Beitrag online stellen.

Stört es mich, dass ich 2 ganze Tage in dieser, sicher aufregenden, Stadt verbringe und kaum etwas davon sehe? Nein, anstelle irgendwelchen Tempeln nachzulaufen mache ich lieber das, wozu ich in dem Moment gerade aufgelegt bin.

Auch hier in Nong Khiaw bieten sich natürlich wieder mehrere Optionen. Die naheliegendste ist es, eine der vielen Trekking Touren zu buchen. Doch wieder einmal tut sich wie aus dem Nichts eine viel (VIEL) bessere Möglichkeit auf. Und so wird aus einer Wanderung durch den Dschungel ein Besuch auf einer Hochzeit in Laos. Beitrag folgt. Versprochen.

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