#11: Just a Perfect Day – Über das Konservieren von Glücksgefühlen.

Nach einer wilden Fahrt mit dem Speedboot (Beitrag #9) und einer holprigen Busreise komme ich Abends im netten Städtchen Kampot an, das sich im Süden von Kambodscha befindet. Da ich das Leben in meiner Hütte auf der Insel sehr genossen habe, beschließe ich wieder nach etwas Ähnlichem Ausschau zu halten. Dank eines namhaften Buchungsportals finde ich eine süße Bambus-Hütte, die direkt am Flussufer gelegen ist.

Das Einschlafen fällt mir in meiner neuen Bleibe zuerst ein wenig schwer. Aufgrund der Abwesenheit des Meeresrauschens höre ich jede noch so kleine Bewegung in der „Fassade“. Offenbar sinke ich letztendlich doch in einen tiefen Schlaf. Wie tief dieser wohl gewesen sein muss, erkenne ich erst am nächsten Morgen.

Nachdem ich meine Augen öffne, fällt mein Blick unmittelbar auf ein rund 30 cm großes Loch in meiner Hütte.

Schlagartig bin ich hellwach. Wer oder besser was ist da in der Nacht in meine Bleibe eingebrochen?!

Zuerst wage ich es kaum aus dem Bett zu steigen. Ich sehe mich um… nichts. Da ich nicht davon ausgehe, dass der Übeltäter bereits das Weite gesucht hat, setze ich meine Suche außerhalb des Bettes fort und wage es unter das Gestell zu blicken. Und ich werde fündig. Mit diesem Anblick habe ich wirklich nicht gerechnet. Offenbar hat der Hund des Hauses in der Nacht einen Platz zum Schlafen gesucht – und gefunden. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie ich diesen Einbruch „überschlafen“ konnte.

Nachdem der Fall also aufgeklärt ist, kann ich mich damit beschäftigen, meinen weiteren Tag zu planen. Spontan beschließe ich einen Roller zu mieten, um die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Ich mache mich auf den Weg in den 20 km entfernten Ort Kep. Da die Straßen – im Gegensatz zu dem was ich in Indien als Untergrund hatte – wirklich gut sind, teste ich mal, was der Roller zu bieten hat, und gebe richtig Gas. Bei 100 km/h ist Ende. Ich liebe es. Ich fühle mich wieder wie damals mit 16 auf meiner Vespa. Und in diesem Moment bin ich tatsächlich mal richtig stolz auf mich. Stolz darauf, dass ich es mir zutraue in einem so fernen und fremden Land ganz alleine durch die Gegend zu düsen. Stolz darauf, dass ich den Mut gehabt habe das Abenteuer dieser Auszeit anzutreten.

Nach dem Besuch des Fischmarktes in Kep brausen mein Roller und ich querfeldein durch einen Nationalpark. Ich genieße die Ausblicke ins Umland und habe einfach einen riesigen Spaß dabei, über eine holprige Schotterpiste durch den kambodschanischen Dschungel zu fahren. Nachdem ich den Nationalpark durchquert habe, muss ich erst einmal kurz anhalten um mir zu überlegen, welches Ziel ich als nächstes ansteuern soll.

Die Wahl fällt auf eine der Farmen, auf denen der (offenbar) weltberühmte Kampot Pfeffer angebaut wird.

Nach einer wirklich sehr interessanten Führung mache ich eine kurze Rast in einem Lokal, an welchem ich bei der Hinfahrt vorbei gekommen bin. Es handelt sich dabei nicht um ein Restaurant im klassischen Sinn, sondern vielmehr um eine Art Verschlag, in dem ein paar wenige Gerichte zubereitet werden. Ob der herrschenden Temperaturen entscheide ich mich für einen Papaya-Salat mit Bananenblüten. Ein Gedicht.

Und nun? Was steht als nächstes an? Ich erinnere mich daran, dass mein Vermieter ein Lokal erwähnt hat, das direkt am Fluss liegt und wohl sehr gemütlich sein soll laut seiner Beschreibung. Ich setze mich also wieder auf meinen Roller und bewege mich retour Richtung Kampot.

Nach einer rund 15 minütigen Fahrt auf einer Schotterpiste befinde ich mich wieder auf der Hauptstraße. Und kann wieder Gas geben 🙂

Dank der modernen Technik (App MapsMe) finde ich das Lokal recht schnell. Der Vermieter hat nicht zu viel versprochen. Das Holzhäuschen liegt direkt am Fluss, nur wenige andere Gäste sind da. Und so verbringen mein Iced Latte, meine frisch gebackenen Kekse und ich die nächsten zwei Stunden damit ins Wasser zu schauen und ein wenig im Internet zu surfen.

Irgendwann wird es mir dann doch fast zu gemütlich. Ich gehe an die Bar um die Rechnung zu begleichen. Der Betreiber fragt mich, warum ich nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben wolle. Die Antwort besteht in einem Schulterzucken. Auf die Frage, was ich denn bis dahin noch anstellen könne, hat er sofort eine Idee parat. Ich soll doch eine Runde mit dem Kajak fahren. Gesagt getan. Schuhe aus, rein ins Boot, Paddel in die Hand, los geht’s.

Nach wenigen Metern verlasse ich den Hauptfluss und wähle einen schmaleren Seitenast. Das Bild das sich mit hier bietet, werde ich nie vergessen. Der Fluss ist zu beiden Seiten mit Palmen gesäumt. Außer dem Zirpen der Grillen und dem Zwitschern der Vögel herrscht absolute Stille. Und so paddle ich über eine Stunde vor mich hin. Es ist, als ob ich in einer anderen Welt gelandet wäre.

Wie alles im Leben ist auch dieses wunderbare Erlebnis irgendwann vorbei. Als ich aus dem Kajak aussteige und wieder an Land trete, bemerke ich erst, dass ich nass bis auf die Unterwäsche bin. Das war’s wert. Um meine Kleider zu trocknen, und vor allem natürlich um den Sonnenuntergang zu sehen, bleibe ich also noch ein wenig und plaudere mit zwei Französinnen.

Es ist bereits dunkel, als ich den Rückweg in die Stadt antrete. Der Verkehr ist mittlerweile um einiges dichter geworden. Der dreispurige Kreisverkehr erweist sich kurz als Herausforderung. Und wieder bin ich stolz auf mich. Und denke daran, was ich schon alles verpasst hätte, wenn ich es nicht hin und wieder geschafft hätte, ein wenig Mut auszugraben.

Die letze Etappe eines Tages, der im Grunde kaum noch besser werden kann, führt mich zum Abendessen in ein kleines vegetarisches Lokal. Mein Veggie-Burger ist köstlich, das Ambiente super gemütlich. Und dann schafft es das Leben (oder der Kellner) dem ganzen noch die Kirsche auf das Sahnehäubchen zu setzen und spielt eine Stunde lang nur Beatles Songs.

Ja, was soll ich sagen. Just a perfect day.

Wie schafft man es solch unglaubliche Glücksgefühle zu konservieren? Wie kann man es verhindern, dass diese besonderen Momente oder Tage irgendwann verblassen oder gar in Vergessenheit geraten?

Aus meiner Sicht gibt es hierfür nur ein Rezept: man muss diese Geschichten teilen. Sei es durch das unmittelbar gemeinsame Erleben mit anderen Menschen, sei es durch einen ausführlichen Bericht nach der Heimkehr oder sei es über das Festhalten in einem Blog-Beitrag.

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