#10: Safety First. Über allein reisende Frauen und deren Sicherheit.

Schon seit geraumer Zeit nehme ich mir vor diesen Beitrag zu schreiben. Ich dachte jedoch, dass es ausreicht, diesen erst nach meiner Rückkehr in die Heimat zu verfassen. Aber, ich will nicht länger warten. Es ist an der Zeit, diese Botschaft in die Welt hinaus zu tragen. Bei all meinen bisherigen Beiträgen ist es mir im Grunde gleich, wie viele Menschen den Artikel lesen werden. Bei diesem wünsche ich mir jedoch, dass meine Worte so weit wie nur möglich verbreitet werden. Klingt wichtig – ist es auch.

Noch vor meiner Abreise werde ich immer wieder gefragt, ob ich denn keine Angst habe alleine nach Indien und Südostasien zu reisen. Schließlich bin ich ja eine Frau, noch dazu blond und blauäugig. Zugegeben, die Frage ist berechtigt. Man hört und liest ja so Manches in den Medien. Ich denke jeder von uns erinnert sich an den unfassbar schrecklichen Vorfall, bei dem eine junge Frau in einem indischen Bus Opfer einer Massenvergewaltigung wurde.

Und auch jetzt, wo ich bereits einige Zeit unterwegs bin – und siehe da, nach wie vor lebe – werde ich immer noch mit diesem Thema konfrontiert. Auf die Frage nach der Sicherheit an meinem jeweiligen Aufenthaltsort schließt immer das obligatorische „Pass auf dich auf“ an. Da mich auch gestern Abend wieder zwei meiner liebsten Freundinnen darauf angesprochen haben, beschließe ich heute Nachmittag kurzerhand, eine Café Pause für das Verfassen dieses Beitrags zu nutzen. Ihr seht, das Thema liegt mir sehr am Herzen.

Es ist dies meine erste Reise nach Indien und Südostasien. Auf eigenen Erfahrungsschatz kann ich somit vor meiner Abreise nicht zurückgreifen. Ich bin prinzipiell auf der optimistischen Seite angesiedelt, glaube an das Gute im Menschen. Dennoch verunsichern mich die vielen bohrenden Fragen und Kommentare zum Thema Sicherheit, was letztendlich dazu beiträgt mich für die Gruppenreise zu entschließen.

Ich möchte vorausschicken, dass ich euch nur schildern kann, wie ich mich fühle und was ich erlebe. Andere Menschen machen andere Erfahrungen. (Wobei ich das in diesem Fall nicht hoffe…). Und ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich auf gar keinen Fall jemandem zu Nahe treten möchte, der negative Vorfälle auf Auslandsreisen erleben musste.

Ich bin nun seit beinahe 11 Wochen unterwegs, war in der Türkei, in Indien, Nepal, Thailand, Kambodscha und Laos. Ja, einen Teil der Reise habe ich bekanntlich in größeren oder kleineren Gruppen verbracht. Eine Herde bietet natürlich immer einen gewissen Schutz gegen Wölfe. Jedoch habe ich mittlerweile auch bereits viel Zeit ganz alleine verbracht, sowohl in großen Städten als auch in beschaulichen Dörfern.

In keinem einzigen Moment habe ich mich je unwohl gefühlt. Kein einziges Mal wurde ich auf eine unangenehme Weise angestarrt oder gar angefasst. Ja, natürlich wird man als Weißer immer wieder genauer unter die Lupe genommen,  unzählige Male um ein „Seeelfiiieee“ gebeten. Und das ist auch mehr als verständlich. Viele dieser Leute haben ihre Heimat noch nie verlassen, vielleicht noch nie einen weißen Menschen gesehen. Und umgekehrt verhalten wir uns ja keinen Deut besser. Auch ich habe bereits so manches Foto von fremden Menschen auf meiner Kamera.

Natürlich gilt es ein paar „Spielregeln“ zu beachten. So sollte man vor allem im Norden von Indien lange Hosen und lange Shirts oder Blusen tragen. Immer wieder sehe ich weibliche Reisende in extrem kurzen Shorts oder transparenten Tops. Und ich erlebe Mädels, die sich einfach extrem unpassend verhalten (zB. im Taxi am Beifahrersitz Platz nehmen und den Fahrer dauernd am Unterarm berühren… ein No Go). Ich frage mich, ob diese Damen jemals eine Minute dafür verwendet haben, sich mit der Kultur oder den „Regeln“ jenes Landes zu beschäftigen, in dem sie teilweise Wochen verbringen. Persönlich finde ich solche Verhaltensweisen einfach absolut respektlos. Ich sage nicht, dass es diese Frauen „verdient“ haben entsprechende Reaktionen zu erhalten. Aber durch aufreizende Kleidung und ein gewisses Verhalten sendet frau natürlich auch Botschaften aus.

Ich denke, dass man stets mit einer Portion Respekt, Menschenkenntnis und ein wenig Hausverstand reisen muss. Natürlich, ein paar unangenehme Zeitgenossen wird es sehr wohl immer geben. Aber mal ehrlich, solche Menschen werden leider in jedem Land dieser Erde zu finden sein.

Ich persönlich durfte in den letzten Wochen eine Herzlichkeit, Offenheit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren, wie ich sie noch nirgendwo erlebt habe. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Menschen noch mehr um mich bemühen, sobald sie erfahren, dass ich alleine auf Reisen bin.

Ihr Lieben, ich habe natürlich vollstes Verständnis dafür, dass ihr euch Sorgen um mich macht. Ich bin froh darüber, dass es so viele Menschen gibt, denen ich etwas bedeute und die mich heil zurück haben möchten. Ich kann euch versichern: ich passe gut auf mich auf. Natürlich erlebe ich das ein oder andere Abenteuer, das soll ja so sein. Ich mache aber nichts Waghalsiges oder Gefährliches. Versprochen.

Umgekehrt habe ich auch einen Wunsch an euch. Versucht diese Länder durch meine Erzählungen und Geschichten genau so positiv zu sehen, wie ich es im Moment hautnah erleben darf. Oder noch besser, packt euren Rucksack und reist selbst nach Indien, Laos oder Kambodscha.

Ach ja. Ich muss meine vorherige Aussage korrigieren, in der ich meinte, dass ich nie angefasst wurde. Das wurde ich leider sehr wohl. In Bangkok. Auf der Khao San Road. Von einem Deutschen. Er hat jetzt eine Hand weniger… 🙂

Und da der Beitrag einen positiven Abschluss verdient hat, zeige ich euch ein paar Bilder, die ich von fremden Menschen gemacht habe:

4 Gedanken zu „#10: Safety First. Über allein reisende Frauen und deren Sicherheit.“

  1. Hi Karin!

    Super geschrieben, gefällt mir. Auch ich zähle leider eher zu denen, die nicht so ganz den Mut haben, sich allein auf dem Weg zu machen (OK, am Weg allein schon, solang jemand beim Ziel auf mich gewartet hat 😅) da muss ich gleich wieder an deinen anderen Beitrag über die blöde Komfortzone denken. Aber dein Bericht macht echt Lust auf so ein Solo-Abenteuer und wie du sagst, man muss eigentlich nur ein paar „Regeln“ beachten, dann kann eigentlich nichts schief gehen 👍🏻

    Noch viele solcher schönen Erlebniss wünsch ich dir.

    LG Bernie

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  2. Hallo Karin, es freut mich zu lesen, dass du als Alleinreisende durchwegs gute Erfahrungen gemacht hast. Ich lebe bereits über 10 Jahre in Indien und würde die Situation in Indien ganz anders einschätzen. Indien ist als alleinreisende Frau eine große Herausforderung und sollte nicht unterschätzt werden. Neben angemessener Kleidung sollte man auch sein Verhalten den kulturellen Bedingungen anpassen. Abends alleine als Frau unterwegs zu sein, kann sehr schnell gefährlich werden und auch bei der Wahl von Unterkünften sollte man Vorsicht walten lassen. In Indien sicher unterwegs zu sein, ist möglich, aber doch vielen Einschränkungen unterworfen. LG aus Südindien Irene

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